Land und Leute: Vor 400 Jahren begann der Dreißigjährige Krieg (1618-1648)

Theatrvm Evropaevm, Prager Fenstersturz 1618; Foto: Matthäus Merian

22.10., 19.00 Uhr

Studio Bildende Kunst

Über den Gottesacker, das „Magdeburgisieren“, unsere Pappenheimer, den „Hundsfott“, die Schwedenschanze und über „die Kirche, die im Dorf bleiben muss“ - das deutsche Trauma in unserer Sprache, Landschaft und Alltagskultur. Kaum ein anderes historisches Ereignis hat das kulturelle Gedächtnis Deutschlands mehr geprägt als der Dreißigjährige Krieg 1618-1648. Das deutsche Trauma hat tiefe und nachhaltige Spuren in unserer Sprache und Kultur hinterlassen, dessen wir uns aber heute nur sehr bedingt bewusst sind. Dieses epochale Ereignis brachte neben den Verheerungen ganzer Landschaften und den sehr lange nachwirkenden politischen und ökonomischen Folgen auch positive kulturelle Innovationsprozesse mit sich. So förderte die Erfindung des Buchdruckes im Zeitalter der Renaissance die informelle Verbreitung des geschriebenen Wortes und trug so maßgeblich zur Entwicklung der mittelhoch-deutschen Sprache bei. Darüber hinaus erlebte die bildende Kunst eine neue Blütezeit vor dem Hintergrund einer überwiegend bäuerlich geprägten Gesellschaft, die des Lesens und Schreibens noch nicht mächtig gewesen war und die Informationsübermittlung im Zeitalter des Großen Krieges erfolgte dann z.B. auch mit Hilfe der Bildersprache in massenhaft verbreiteten Flugschriften. Aus dem fabelhaften Satyr des Simplicissimus wird z.B. so der Beginn der politischen Satire als einer spezifisch deutschen kulturellen Tradition, die bis zum heutigen Tage medial präsent geblieben ist.

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