Kulturnews 02/2018

Thomas Sefzig:

Baumscheiben – grüner geht ümmer!

Foto: Tomasoso

Das Online-Nachbarschaftsportal nebenan.de hat einen Preis ausgelobt für die beste Nachbarschaftsaktion. Schöner Gedanke, oder? Sehr viele Städte und Kieze setzten ihre Projekte um und bewarben sich. Zum Landessieger Berlin-Brandenburg und damit ins Semi-Finale hat es die Kunger-Kiez-Initiative e.V. geschafft, und zwar mit dem Baumscheiben-Fest, das über mehrere Jahre geplant und organisiert wurde.
Es ist enorm, wie sehr gepflegte Baumscheiben das Straßenbild verschönern. Bis vor kurzem noch Schmuddelfleck oder Hundeklo, blüht und grünt es nun, wurde Bienenweide und bietet mitunter auch Raum für kleine oder größere Kunstobjekte. So ganz neu ist die Idee nicht, das wurde schon in den 1980ern hie und da versucht. Oft genug wurden die Rabatten mutwillig zertrampelt, oder ein Griesgram hat Anzeige erstattet. Kann ja nicht einfach jeder machen, was er will. Aber: Gute Ideen kriegt man nicht kaputt!
Neuer ist der Begriff Urban Gardening, wobei dieser auch Flachdächer und Balkone einbezieht. Inzwischen gehört es schon fast zum guten Ton, irgendetwas anzubauen. Tomaten im Blumenkasten auf der Fensterbank im 4. Stock – ich gebe zu, ich mach das auch schon seit rund 10 Jahren. Und mir würde sicher etwas fehlen, hörte ich damit auf. Im Gegenteil: Hätte ich einen Balkon, so wäre dieser sicher bald genauso ein Dschungel wie mein Wohnzimmer. Nicht jeder hat die Möglichkeit, sich eine Parzelle in der Kleingartenanlage zuzulegen, was aber nicht heißt, auf schön viel Grün im Lebensbereich verzichten zu müssen.
Berlin ist natürlich ohnehin enorm grün, verglichen mit anderen Großstädten – und Treptow-Köpenick erst recht: Fünf Siebtel der Fläche bestehen aus Wald oder Wasser. Bemerkenswert, dass man dennoch versucht ist, jeden Meter Erde grün und bunt zu gestalten – die Bäume könnten doch auch reichen. Aber nein, die Baumscheiben sehen tatsächlich nur öde aus, und das kann man ja ändern. Als Anwohner, Kiez-Bürger, kann man sich einbringen, und es bilden sich nette Cliquen, die sich hier mit viel Liebe, Sorgfalt und Kreativität austoben und damit die Lebensqualität spürbar erhöhen.
Baumschulenweg ist da keine Ausnahme, auch hier wird fleißig geackert. Zugegeben, die Kunger-Kiezler haben etwas Vorsprung, und es gibt dort recht außergewöhnliche „Fleckentfernungsmaßnahmen“. Das wirklich Besondere ist aber wohl, dass die Aktion mit einem Straßenfest begangen wird, was in Baume noch nicht so richtig gelungen ist. Aber das wird noch, bei dem Vorbild. Inzwischen hat der Herbst das meiste Grün mit Laub bedeckt. Im Frühjahr geht’s wieder los, dann kommt das nächste Fest. Der Preis ist sicher verdient.


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