Kulturnews 02/2018

Ingo Knechtel:

Religiosität und Glauben

v.l. Michelle Logsdon, Felix Hawran, Ana Bathe, Foto: Clemens Menne

Ein spannendes Thema in der Welt von heute, dem sich wohl niemand entziehen kann. Alle sind wir konfrontiert mit den unterschiedlichen Facetten großer Weltreligionen und kleiner Glaubensgemeinschaften. Die Religionsfreiheit ist im Grundgesetz unseres Landes garantiert, geboten ist auch die gegenseitige Toleranz der verschiedenen Religionen untereinander. Ja auch jene, die keiner Religion anhängen, sind in dieses Gebot der Toleranz und des Respekts einbezogen. Es steht für eine demokratische Gesellschaft, ist unerlässlich für das freie und gleichberechtigte Zusammenleben aller Menschen.
Somit war es nur folgerichtig, dass die jüngste Ausstellung „Glaubenswelten – Religion aus vier Perspektiven“ in der Fotogalerie Friedrichshain von Beginn an enormes Aufsehen erregt und auf großes Interesse stößt. Weit über 150 Besucher waren am Abend der Eröffnung gekommen, auch nach mehreren Stunden trafen immer noch neue Gäste ein. Eine Einführung in die Ausstellung gab Galerieleiter Felix Hawran, der drei der vier Fotograf*innen zur Vernissage begrüßen konnte: Ana Bathe, Carla Pohl und Jana Ritchie. Ana Bathe inszeniert in üppigen Selbstportraits die Sieben Todsünden und die griechische Götterwelt. Carla Pohl zeigt Einblicke in christliche, jüdische und muslimische Glaubenswelten in Berlin. Jana Ritchie begleitete eine junge Muslima in ihrem ganz privaten Glauben. Besondere Aufmerksamkeit verdiente der Beitrag von Serge J-F. Levy aus den USA. Er begab sich für seine dokumentarische Serie in amerikanische Hochsicherheitsgefängnisse, um die Beziehung der Inhaftierten zu Glauben und Religion zu ergründen. Dass ihm dies gelungen ist, erstaunte viele der Anwesenden, zu denen auch Kulturattachée Michelle Logsdon von der US-Botschaft in Berlin gehörte. Sie zeigte sich begeistert über die Beziehungen und Kooperationen zwischen deutschen und amerikanischen Fotografen und Künstlern aller Genres sowie Kultureinrichtungen. „Solche Vernetzungen auf kultureller und persönlicher Ebene machen die Dynamik und Vitalität der deutsch-amerikanischen Beziehungen aus“, sagte sie und betonte deren besondere Bedeutung, „da sie die Diskussion über Werte und Ideale in einer freien Gesellschaft symbolisieren“. Sie nahm die Gelegenheit wahr, sich nachdrücklich für Glaubensfreiheit einzusetzen und zitierte US-Außenminister Tillerson: „Wo Glaubensfreiheit nicht geschützt wird, haben Instabilität, Menschenrechtsverletzungen und gewalttätiger Extremismus bessere Chancen auf Verwurzelung.“ Mit viel Beifall wurden die Worte Michelle Logsdons aufgenommen, unterstützt doch die amerikanische Botschaft ganz konkret die Beteiligung des Fotografen Serge Levy an dieser Ausstellung und seinen Aufenthalt in Berlin. Levy wird dafür zu einem Artist Talk am 1. Februar zusammen mit den anderen Fotograf*innen erwartet. Bei der gleichen Gelegenheit präsentiert der Fotograf Dirk-Martin Heinzelmann seine Multimedia-Collage „Reise nach Jerusalem“, die Einblicke in Glaubenswelten der religiösen Geburtsstadt gewährt.

In der Mitte: Ken Logsdon, Foto: Marc Ermer

Eine weitere Ehre erfuhr die Präsentation in den ersten Tagen seit der Eröffnung. Die amerikanische Vertretung in Berlin hat sie als einen Teil ihrer Aktivitäten anlässlich des National Religious Freedom Day (Nationaler Tag der Religionsfreiheit) ausgewählt, der jedes Jahr am 16. Januar in den USA begangen wird. Aus diesem Anlass besuchte der höchste Diplomat der Vereinigten Staaten in Deutschland, der amtierende Geschäftsträger Ken Logsdon, die Fotogalerie Friedrichshain. In einer speziellen Führung erläuterten Galerieleiter Felix Hawran und Fotografin Ana Bathe die Exponate, das Anliegen und die Entstehung der Schau. Ebenso interessiert zeigte sich der Diplomat an der Geschichte der Fotogalerie, die zur Zeit ihrer Gründung 1985 die erste und einzige in der DDR war. Er wünschte der Galerie und dem Kulturring eine weitere erfolgreiche Arbeit.


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