Kulturnews 02/2018

Petra Hornung:

Von der Leichtigkeit des Menschseins

Figurinen von Ariane Appelmann im Kulturbund Treptow
Foto: Ariane Appelmann

Manchmal bedarf es des glücklichen Zufalls, damit ein ganzes kreatives Lebenswerk aus den Schubläden heraus endlich wieder das Licht der Welt erblicken darf. Ariane Appelmanns wahrhaft kostbare Kostümentwürfe, ihre Figurinen, sind ein solch verborgener Schatz. Und dieser wird, zumindest als Anklang, - die Auswahl war schwer - präsentiert sein in der Ausstellung der Kulturbundgalerie Treptow. Dass die Künstlerin in Berlin-Treptow lebt, beweist einmal mehr, dass das „Gute“ durchaus in der Nähe ist. Welche Freude zudem im 450. Treptower Jubiläumsjahr.
Und das „Gute“ hat Leben in sich, denn die Entwürfe sind sämtlich realisierte Werke, die in unzähligen brillanten Aufführungen, Fernsehproduktionen, Opern, Operetten, Balletten, Shows, Revuen, darunter im Friedrichsstadtpalast, der Komischen Oper, durch ihre herausragende Qualität dem professionellen Anspruch ebenso gerecht wurden wie dem sinnlichen Vergnügen.
Das liegt daran, dass Ariane Appelmann ihren Lebenstraum in den 1960er Jahren an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee studieren konnte und mit Diplom im Fach Szenenbild/Kostüm abschloss. Der berühmte Bühnenbildner Professor Kilger war einer ihrer großen Anreger. Angestellt beim Fernsehen der DDR, konzentrierte sich ihre Arbeit auf die Kostümbildnerei. In diese Zeit fallen Appelmanns erfolgreichste Produktionen, die natürlich ein riesiges Arbeitspensum und ein enormes Spektrum bedeuteten. Ohne Theaterbesessenheit, ihre subtile Neigung zur Perfektion, ohne ihre Offenheit, sich mit Einfühlsamkeit Neuem zu stellen, wäre das nie zu schaffen gewesen. Zudem hat Ariane Appelmann alles von der Pike auf gelernt: Nähen, Stoffkunde, Historische Kostümkunde… Bei aller künstlerischen Kreativität, ihren Beruf sieht sie nie als Selbstzweck. Das naturgemäße Unterordnen, dem Gesamtkunstwerk zuliebe, ist ihr oberstes Gebot. Die Künstlerin begreift ihr Schaffen zuallererst als Übersetzung. Das heißt zum Beispiel der Musik, den Inhalten… nachzuspüren, dem Charakter, der Atmosphäre eine Entsprechung zu geben, die Logik mit hineinzunehmen, die Rhythmus und Raum bilden, Farben zu nehmen, die von Weitem noch wirken müssen. Zeitgeist und historische Korrektheit.

Foto: privat

Zauberhafte Ergebnisse sind entstanden, in schöner Klarheit, sinnlich oder streng und letztlich bedingungslos in den Dienst der vielschichtigen Assoziation gestellt. Die Figurinen geben faszinierend Zeugnis. Die Resonanzen auf den großen Bühnen, Anerkennung und Auszeichnungen geben ihr Recht. Als die Zeit beim Fernsehen nach der Wende vorbei war, gab es Übergangslösungen. Und seit kurzem gibt es erstmalig Zeit, Muße und Raum für Fantasie und Eigenes. Mit den farbig lichten Circusbildern weist die Ausstellung geradezu auf ein Pendant. Da geht es ausnahmslos spielerisch zu. Kleine, schnörkelreiche, witzige Geschichten schwelgen in märchenhaften Gefilden. Die Akteure können über sich selbst lachen und führen in ihrer Arena am liebsten das auf, was sie am wenigsten können. Listige, kuriose Tierchen feiern eine Leichtigkeit des Menschseins, die sich niemandem und nichts in den Dienst zu stellen brauchen. Viel Freude beim Staunen und Wundern!

Ariane Appelmann Kurzbiographie
1968
Studium an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst Berlin
Abschlussdiplom Szenen- und Kostümbildnerin
Kostümbildnerin im Bereich Unterhaltung im Deutschen Fernsehfunk: Revuen, Musical, Oper, Operetten und Ballettinszenierungen
Zwei Revueausstellungen im Friedrichstadtpalast
1998
Kostümbildnerin am Stadttheater Köpenick für zwei Jahre
2001
Projekt „Künstler in den Schulen“. Arbeit als Kunstzirkelleiterin in Grundschulen und am Gymnasium. In dieser Zeit entstanden über das Zirkuskalender-Kinderbuch die ersten Ideen zum Thema „Zirkus“.


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