Kulturnews 05/2011

Lutz Wunder:

Schwierig, schwierig – kultour à la carte, die 6. im Kulturring

Foto: Ralf Nachtmann

Als im vergangenen Sommer ein Häufchen unverdrossener Kulturmacher in Marzahn- Hellersdorf die Frage diskutierte, ob es ein 6. Event geben sollte, da ahnte von den Beteiligten noch keiner, wie sehr diese Frage an den Grundfesten des Projekts rütteln sollte. Anlass der Überlegungen waren schon damals einige grundsätzliche Probleme, mit denen die Beteiligten zu kämpfen hatten (und haben) – als da sind: dass das Marzahn-Hellersdorfer Kulturamt zu einem Fachbereich degradiert ist, der zur Verfügung stehende bezirkliche Kulturetat bedeutungslos (denn da wird von einigen Verantwortlichen im Bezirksamt lieber viel Geld für die sogenannten Plattenspiele in der Platte besorgt), die Kooperationspartner, wie der Kulturring, mit keinem ausreichenden Fachpersonal mehr und zu wenig Logistik versehen sind – was soll daraus entstehen? Wie sollte da an die Erfolge der letzten Jahre angeschlossen werden?
Die Bemühungen der Macher in den nunmehr vergangenen Veranstaltungen hatten sich dennoch gelohnt. Und wer einmal eine Unterbrechung zulässt, weis, dass dann interessiertes Publikum verloren geht. Also lautete dann die Entscheidung: egal wie schwer es wird, wir probieren es, und diesmal mit dem Thema Heimat.
Nun ist sie Geschichte, die 6. Tour am letzten Märzwochenende, mit wieder ca. 30 beteiligten Kulturorten im Bezirk und auch vielen Besuchern. Wie viele da unterwegs waren, ist noch nicht zu sagen, die Auswertungen der Analysebögen liegt noch vor uns. Was schon gesagt werden kann, sind die Tatsachen, dass es mit dem Filmemacher Andres Dresen einen interessanten Schirmherrn gab, dass die Videodokumentation der 5. Kulturnacht dem Publikum und Beteiligten übergeben werden konnte, dass das Programmheft ein „Hingucker“ war, dass es eine gelungene Eröffnungsveranstaltung im Kulturforum Hellersdorf gab.
Was die Angebote und die Beteiligung des Kulturrings betraf, so kann von einem erfolgreichen Kulturwochenende gesprochen werden. Über den Tag kamen rund 100 Besucher ins Kulturforum - das Nachmittagskonzert mit dem Pianisten Konstantin Nasarov und dem Geiger André Ur sowie die abendliche Unterhaltungsmusik mit dem Trio Scho als Programmhöhepunkte waren gut besucht. Im Berliner Tschechow-Theater war der Andrang des Publikums noch größer. Schon die Nachmittagstheaterauführung „Friedrich II. und sein Müller“ war überfüllt, die abendliche Vorstellung der Inszenierung „La Crème de Bohème“ sehr gut besucht, und am Sonntagmorgen lockte die Vorstellung „Aus Hexenmamas Märchenküche“ von Yelka Marada wieder soviel Publikum in das kleine Theater, dass es fast nur noch Stehplätze gab.
Aber auch von anderen Veranstaltungsorten waren gute Besucherzahlen zu hören. Und das alles bei den eingangs erwähnten Problemen. Denn wie schon angedeutet, in welche Talfahrt die kommunale Kultur auch und besonders in Marzahn-Hellersdorf nach dem Jahreswechsel durch die radikale inhaltliche Neuorientierung des bezirklichen JobCenters und der damit verbundenen fehlenden Unterstützung gerutscht ist, hatte keiner geahnt. Zwar hatte sich der Fachbereich Kultur zur Lösung der notwendigen Öffentlichkeitsarbeit eine Eventagentur zur Unterstützung an die Seite geholt, damit waren aber grundsätzliche Aufgaben nicht gelöst und zeigten sich dann auch in der Praxis als wahre Blockierer: Die notwendige Kommunikation mit den Beteiligten war nicht mehr kontinuierlich zu leisten, und das hinterließ deutliche Spuren in der Motivation. Die Schwierigkeit, ohne Personal und Logistik die Programmhefte, Plakate und Eintrittskarten zu verteilen, was sichtbar wird mit den verbliebenen, nicht verteilten Restexemplaren. Es konnten nicht ausreichend Werbepartner akquiriert werden …
Die wenigen Aktiven, besser gesagt, die Wenigen, die noch aktiv sein können, werden nicht an die Erfolge der letzten Jahre anschließen können, wenn sich nicht das gesamte Bezirksamt – und nicht nur der Fachbereich Kultur – für dieses Event einsetzt und stark macht.
Aber, was haben die Besucher, interessierten Gäste davon gemerkt? Sie waren da, genossen eine Vielzahl interessanter Programme – und das gibt sicher letztlich den Ausschlag zur Bewertung der 6. kultour a la carte in Marzahn-Hellersdorf.


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