Kulturnews 05/2011

Ingo Knechtel:

Zu teuer,

befand Finanzsenator Nußbaum für die SPD und forderte das Aus des Öffentlichen Beschäftigungssektors in der Berliner Arbeitsförderung. In den Medien hieß es, Klaus Wowereit stünde hinter ihm und eröffne mit dem Thema den Wahlkampf gegen die Linken. Diese waren verschnupft, dann kompromissbereit und gaben sich nun mit 5000 Stellen (rd. 1000 weniger als derzeit) statt der anvisierten 8000 zufrieden, plus der Zusage, diese könnten bis 2014 verstetigt werden. Für die vielen Träger der Arbeitsförderung in Berlin ist es eine weitere Enttäuschung in diesem für sie so rabenschwarzen Jahr. Erst kappen die Jobcenter die sog. Ein-Euro-Jobs um 25 bis 50 %, ganz wie es sich durchsetzen ließ oder ihren Vorstellungen entsprach. Und nun schrumpft der ÖBS. Einige große Träger gingen bereits in Insolvenz. Auf der Strecke bleiben aber vor allem die arbeitswilligen ALG-II-Empfänger. Darüber hinaus auch noch viele Bürger, die die zahlreichen zusätzlichen Angebote, u.a. im kulturellen und sozialen Bereich, zu schätzen gelernt haben. Und was heißt hier eigentlich zu teuer? Das Land Berlin zahlt durchschnittlich ca. 600 EUR monatlich für eine Stelle, inklusive Sachkosten für die Träger, der Rest kommt von der EU oder vom Bund. Und es erhält dafür ja auch eine Leistung, das wird oft vergessen. Von Arbeitslosigkeit Betroffene erhalten ihre Würde zurück. Ohne ihre Arbeit z.B. wäre die Erweiterung der Ausstellung des Kulturrings zur Homosexuellenverfolgung in Nazideutschland nicht möglich gewesen. Alle wünschen sich die Arbeit der freien Träger, gern rühmen sich Politiker mit deren positiven Ergebnissen für das Gemeinwohl. Nicht alles läuft indes ehrenamtlich, Strukturen müssen finanziert werden. Alles hat seinen Preis, und immer noch gilt: Es ist besser, Arbeit als Arbeitslosigkeit zu finanzieren. Alles andere kommt uns letztlich sehr teuer zu stehen.


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