Kulturnews 03/2011

Claudia Wetzel:

Lange Nacht: Mit der Kunst im Dialog

Foto: Kulturring

Als im Jahr 2008 zum ersten Mal die Lange Nacht der Bilder ins Leben gerufen wurde, ahnte noch niemand im Bezirk, dass sich dieses Ereignis zu einem jährlich wiederkehrenden, festen Termin innerhalb des Lichtenberger Kulturkalenders entwickeln würde. Die Organisation und Koordination der Großveranstaltung liegt in der Hand des Kulturrings, natürlich in enger Abstimmung mit dem Kunst- und Kulturamt. Damals wie heute hat das Team sein Büro im Studio Bildende Kunst in der John-Sieg-Straße 13 im Kiez Frankfurter Allee Süd.
Am 02. Juli von 15.00 bis 01.00 Uhr findet nun zum vierten Mal die Lange Nacht der Bilder in Lichtenberg und dieses Mal – als Novum – auch in Friedrichshain statt. Wie in den Jahren zuvor ist der Eintritt für Besucher frei. Das kulturelle Highlight bietet zahlreichen Künstlern die Möglichkeit, ihre Werke einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Die Lange Nacht der Bilder galt bisher als Kunstevent Lichtenbergs und wird nun erstmalig, sozusagen grenzüberschreitend, den Nachbarbezirk Friedrichshain-Kreuzberg einbeziehen. Das KunstKreuz, ein renommiertes, im letzten Jahr bereits zum 11. Mal vom Kulturring organisiertes Ausstellungsevent wird in das Konzept der Langen Nacht der Bilder einbezogen. Friedrichshainer Galerien, Ateliers und Ausstellungsorte werden im Rahmen einer KunstKreuzTour mit ihren Angeboten das Gesamtprogramm der Langen Nacht noch farbiger und spannender machen.
Teilnehmen können an der Langen Nacht zum einen Ausstellungsorte wie Galerien, Kunstwerkstätten, Ateliers, Kirchen und Museen, aber auch Einrichtungen, wie Wohnungsbau-Unternehmen, Autohäuser oder Einkaufscenter, die ihre Räume zu Ausstellungszwecken zur Verfügung stellen möchten. Vor allem beteiligen sich jedoch bildende Künstler, Laien wie Professionelle, aller Genres, Generationen und Kulturen, die ihren Lebens- bzw. Arbeitsmittelpunkt in einem der beiden Bezirke haben oder Lichtenberg bzw. Friedrichshain als Kunstraum für sich entdecken möchten. Die Anmeldefrist für Künstler und Aussteller wurde aufgrund der territorialen Erweiterung um den an Lichtenberg angrenzenden Teil von Friedrichshain auf den 15. März 2011 erweitert. Hierfür gibt es Anmeldebögen, sowohl für Künstler als auch Veranstalter. Erhältlich sind die Formulare einschließlich der Teilnahmebedingungen beim Kulturring unter der Emailadresse studio@kulturring.org. Den ausgefüllten Bogen können Interessenten per Email schicken, per Post an den Kulturring in Berlin e.V., Bildungswerk, Rosenfelder Str. 15/16, 10315 Berlin senden oder an die 030 – 514 89 737 faxen.
In diesem Jahr wird es wieder einen Zeichenwettbewerb geben, welcher Künstler zur Teilnahme motivieren möchte, die noch über kein eigenes Oeuvre verfügen. Zu dem Wettbewerb können alle Kreativen einen Beitrag unter der Thematik „Lichtenberg in Farbe“ bis zum 20. Mai 2011 im Studio Bildende Kunst einreichen. Wie auch im vergangenen Jahr kommt für die Prämierung eine Kunstjury zusammen. Die Auszeichnung findet im Rahmen der Langen Nacht statt.
Das Programmheft der Langen Nacht wird wiederum Tourenvorschläge enthalten, welche die nah beieinander liegenden Ausstellungsorte sinnvoll miteinander verbinden. Diese sind so konzipiert, dass die Besucher auf eigene Faust – per pedes, mit dem Fahrrad, dem Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln – die verschiedenen Kunstorte bequem erreichen können. Außerdem wird eine Familien-Rätseltour den Kunstgenuss für die Großen mit Spaß und Spiel für die Kleinen kombinieren. Ausgerüstet mit den wichtigen Informationen, am besten aus dem in Vorbereitung befindlichen Programmheft, kann sich Mann oder Frau von der Victoriastadt bis Neu-Hohenschönhausen und von Karlshorst bis zum Frankfurter Tor auf Erkundungstour durch die Lange Nacht begeben. Die Touren bieten Gelegenheit, die Stadtteile mit anderen Augen, sozusagen durch den Spiegel der Kunst, neu für sich zu entdecken. Zudem öffnen nicht nur Galerien, Ateliers und Kunstwerkstätten ihre Türen, sondern auch Einrichtungen die an diesem Tag einmalig zu öffentlichen Ausstellungsorten werden. Das setzt für die Kunst als auch für die ausstellenden Künstler spannende, neue Akzente.
Einige Programmpunkte geben bereits einen Vorgeschmack auf das Sommerereignis. Für jeden Kunstinteressierten wird etwas dabei sein. Das Spektrum reicht in diesem Jahr wieder von zeitgenössischer Malerei, wie sie zum Beispiel im Museum Kesselhaus zu sehen sein wird, über Grafik und mediale Kunst von Lisa Pakschies im Atelier BBJ Corvus bis zu den Arbeiten von Bärbel Malek im Bereich Textilkunst. Das Studio Bildende Kunst zeigt eine Ausstellung von Kupferstichen einer Leipziger Künstlergruppe. Es wird die Möglichkeit geben, den Kursleitern und Teilnehmern der verschiedenen Kunstkurse über die Schulter zu schauen. Am Abend der Langen Nacht erstrahlt die alte Villa Skupin wieder im Schein einer Lichtinstallation der Künstlerin Christiane Hochbaum.
Neben den Ausstellungen wird es Kunstaktionen und Workshops, Gespräche mit Künstlern und Lesungen sowie kleine Konzerte geben, auch für kulinarische Stärkungen wird gesorgt sein. Ein besonderes Highlight ist sicherlich auch das SommerKunstfest der Jugendkunstschule Lichtenberg mit geführten Touren für jung und alt sowie Mitmachangeboten: Schnitzen, Filzen, Grafik, Schminke und Foto. Ausgestellt werden mannigfaltige Arbeiten, die innerhalb der künstlerischen Werkstattwoche an den Lichtenberger Oberschulen entstanden sind. Im Anschluss an das Sommerfest beginnt das „Nachtatelier“, das zum Besuch der offenen Werkstätten und Ateliers und zur KunstAktion „druckfrisch“ einlädt.
Geführte Touren werden das Programm der Langen Nacht bereichern. In Kooperation mit dem Förderverein Landschaftspark Nordost e.V. veranstaltet Eulentours eine geführte Fahrradtour in den Regionalpark Barnimer Feldmark zur Ausstellung „Historische Aufnahmen von Falkenberg“. Dazu gibt es Führungen in und um die einzig erhaltene Lehmkate, das ehemalige Gutshaus. Zudem wird vom Kulturring wieder eine geführte Tour angeboten, welche die „Kunst am Bau“ in den Mittelpunkt stellt.
Das Atelier Textilkunst präsentiert eine Ausstellung aus Plastiken und Collagen „Soweit die Arme reichen“ und serviert den Gästen Kaffee und hausgemachten Streuselkuchen. Das Familienprojekt Potpourri EJF zeigt in einen musikalischen Rahmen eingebunde Bildhauerei und Grafik und bietet zum Thema der Ausstellung eine Lesung. Wieder im Programm dabei ist die Volkshochschule Lichtenberg, die ihre Räume an diesem Abend für Malerei, Fotografie und Keramik öffnet und neben einer Lesung und Kunstaktionen auch mit Spezialitäten vom Grill lockt. Mit dabei sind auch die Lankwitzer Werkstätten, die Fotogalerie des Kulturrings am Helsingforser Platz in Friedrichshain, das Atelier von Julia Hürter in Rummelsburg, das Atelier von Josephine Behlke und Sally Busse, sowie Simone Kehl in der Karl Marx Allee, um hier nur einige zu nennen.
Über die Kunst und das Unterhaltungsprogramm hinaus ist die Lange Nacht der Bilder eine gute Gelegenheit, damit einzelne Künstler oder Künstlergruppen mit interessierten Bürgern über das Thema Kunst miteinander ins Gespräch kommen. Die Lange Nacht versteht sich nicht nur als Netzwerk der bildenden Kunst, in dem Künstlerkollegen untereinander und mit der Öffentlichkeit kommunizieren. Sie bietet auch anderen Künsten, wie der Musik und der darstellenden Kunst, Raum. Zahlreiche Begleitveranstaltungen an den Ausstellungsorten sind inzwischen Besuchermagneten, die für Vielfalt, Abwechslungsreichtum, aber auch Spannung und Unterhaltung während des Abends sorgen.
Der Erfolg des Veranstaltungskonzepts kann sich mittlerweile sehen lassen, 2010 nahmen mehr als 400 Künstler teil, etwa 12 000 kunstinteressierte Besucher wurden an den über 50 Ausstellungsorten gezählt. Das ist vor allem ein Ergebnis des Engagements zahlreicher privater und öffentlicher Einrichtungen, Galerien, Kirchen, Werkstätten und Ateliers. Nur durch ein Netzwerk aus Freiwilligen, angefangen von den beteiligten Künstlern, über Betreiber von Einrichtungen, Sponsoren, aber auch Bezirkspolitikern und Mitarbeitern des Bezirksamts Lichtenberg ist es möglich, die Lange Nacht der Bilder zu einem jährlichen Kunsthighlight in Lichtenberg und nun auch in Friedrichshain werden zu lassen. Der Dank gilt somit allen Unterstützern!
Die diesjährige Lange Nacht steht unter dem Motto „Kunst im Dialog“ und ist gleichzeitig Einladung für Akteure und Besucher, daran Anteil zu nehmen und der Kunst ein Zeichen zu setzen. Deshalb seien Sie dabei, wenn es wieder heißt: Auf zur Langen Nacht der Bilder!


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