Kulturnews 02/2011

Petra Bobinger und Petra Becks:

KulTour: Vom Kladower Kultur- und Sommergarten Dr. Fränkel zur Dorfkirche

Foto: Petra Bobinger

Stellen Sie sich vor, es ist Sonntag, die Sonne scheint und Sie wissen noch nicht so richtig, wie Sie diesen schönen Tag verbringen möchten. Sie verspüren Lust auf Land, Wasser und Grün... Da bietet sich eine kleine Tour in Spandau an.
Nehmen Sie am Bahnhof Spandau den Bus 134 oder X 34 und fahren bis Hottengrund (Endstation), laufen zurück bis zum Lüdickeweg, dann spazieren Sie bis zu dessen Ende, und schon stehen Sie vor dem Sommercafé und -garten Dr. Fränkel.
Ursprünglich ließ der Unternehmer Otto Lüdicke auf dem ehemaligen Ziegeleigelände (1846-1905) ein Sommerhaus bauen. Den dazugehörigen Garten legte die Gartenbaufirma Spät an. Im Jahre 1920 kaufte der jüdische Bankier Dr. Max Fränkel das Gelände und ließ sich vom Architekten Albert Geßner den Eingangsbereich und das Garagenhaus gestalten. Zwischen 1927 und 1933 gestaltete Gartenarchitekt Professor Erwin Barth, Stadtgartendirektor von Berlin und Charlottenburg, das Gelände neu. Dr. Max Fränkel nutzte den Garten als Sommerresidenz bis zu seiner Emigration 1933. Im Jahr 1938 eignete sich das „Deutsche Reich“ den Besitz von Dr. Fränkel an. Nach dem 2. Weltkrieg ging das Grundstück in das Eigentum der Stadt Berlin über und wurde geteilt. Es entstand eine Zoll-Grenzkontrollstelle für den Schiffsverkehr durch die DDR, ein Vereinsgelände für Angler und ein Teil für Wochenendhäuser. Das Gartenhaus wurde nach dem Krieg abgerissen; der ehemalige Grundriss ist nunmehr durch vier Rosenbüsche angedeutet.
Derzeit wird der Garten nach den Originalplänen des Gartenarchitekten Professor Erwin Barth schrittweise wieder hergestellt. Es gibt einen großen Nutzgarten, Rosenbeete und große Wiesenbereiche mit einem weiten Blick auf Wannsee und Pfaueninsel. Ein Gartenparadies, welches zum Verweilen einlädt.
Im Sommer vom 1.5. - 11.10. ist an den Wochenenden und Feiertagen von 11:00 bis 18:00 Uhr das Sommercafé für Besucher geöffnet. Tolles Frühstück, selbst gebackener Kuchen und kleine Gerichte stehen zur Auswahl. Sonntags gibt es einen Marktstand, der im monatlichen Wechsel Töpferwerk, Schmuck, Gefilztes und Marmeladen anbietet. Im ehemaligen Zollhaus wird zeitgenössische Kunst präsentiert.
Nun verlassen wir das Sommercafé und nehmen gleich den nächsten Weg rechts, den Sakrower Kirchweg. Hier kommen wir bei der Nr. 6/8 an einem kleinen Häuschen vorbei, genannt Kossätenhaus, da früher dort Kossäten, also Kleinbauern, wohnten. Es ist das älteste Haus des Ortes Kladow, eine Landarbeiterunterkunft, und steht heute unter Denkmalschutz.
Ein paar Schritte weiter stehen wir auf der linken Straßenseite vor dem Garten des Metallkünstlers und freischaffenden Bildhauers Volkmar Haase und seinen Skulpturen, die in seiner hiesigen Werkstatt entstanden. Vom Skulpturengarten gehen wir auf dem Sakrower Kirchweg weiter und kommen schließlich zum Dorfplatz.
Dominant auf dem Platz ist die alte Dorfkirche Kladow. Sie stammt vermutlich aus dem 14. Jahrhundert. Die ursprüngliche Konstruktion war ein Saalbau aus Feldsteinen mit vier Achsen. 1808 zerstörte ein Brand das Gotteshaus. Zwischen 1818 und 1819 errichteten die Kladower auf den stehengebliebenen Feldsteinmauern einen Neubau im neogotischen Stil. Ein Ausschnitt der alten Feldsteinwand ist nach der Freilegung an der nördlichen Außenseite zu sehen. Stilbrechend bekam der Glockenturm eine eher barock anmutende Haube als Dachabdeckung. 1953 geschahen umfangreiche bauliche Veränderungen. Die neogotischen Fenster ersetzte man durch barockisierende Korbbogenfenster. Von der Innenausstattung blieb nur die alte Carl-Ludwig-Gesell-Orgel erhalten. Auf ihr spielt der Kantor jeden 3. Mittwoch im Monat ab 18.30 Uhr. Der Prospekt des Musikinstrumentes entstand in einem Stil zwischen Rokoko und Klassizismus.
Von der Kirche laufen wir den recht abschüssigen Weg zur Imchenallee, einer Uferpromenade an der Havel, in welche hier der Wannsee nahtlos übergeht.
Um diesem Ausflug einen krönenden und romantischen Abschluss zu geben, warten Sie auf die stündlich im Sommer fahrende Fähre, um überzusetzen nach Wannsee. Von dort nehmen Sie die S-Bahn, um wieder nach Hause zu kommen.
Die Tour wurde im Rahmen des Projektes Tour-Tipps Spandau von Petra Bobinger und Petra Becks erarbeitet.


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