Kulturnews 01/2011

I.K.:

Zwei zu eins – ein Spielstand oder mehr?

v.l.n.r., Raphael Bergmann, Aina Lappalainen, Herwig Hofmeister, Foto: Reno Döring

Die Antwort auf diese Frage bleibt dem Zuschauer vorbehalten. Zur Vernissage hielt sich Kunsthistoriker Matheos Pontikos in der Kulturbundgalerie in Baumschulenweg mit einer Bewertung jedenfalls zurück. Nicht jedoch mit jeder Menge würdigender Worte gegenüber den „Hauptdarstellern“, den drei Künstlern Raphael Bergmann, Herwig Hofmeister und Aina Lappalainen.
Vom Benediktinermönch zum Maler, ein etwas ungewöhnlicher Lebensweg, den Raphael Bergmann beschritt, und dann zeigt er uns in den Bildern seine Liebe zum Western. Wo ist hier die Verbindung? Dazu Laudator Pontikus: „Zur Frage, was der Western mit der Theologie, oder besser: mit der christlichen Mythologie gemeinsam hat, möchte ich nur soviel sagen, dass beides tief in der Ökonomie von Gut und Böse, Schuld, Gerechtigkeit, Sühne und Vergeltung verwurzelt ist. ... Ihre große Leistung besteht darin, die bildkompositorisch beeindruckenden Szenen wieder zu ihrem Ursprung zu führen, zu dem kontemplativen, beschaulichen, zu dem ganz archaischen Medium. ‚En Arche’, wie es im Johannes-Evangelium heißt, am Anfang war wohl nicht der ‚Logos’, das Wort, sondern die ‚Ikon’, das Bild.“
Obwohl ein guter Bekannter, äußert sich Matheos Pontikos zum zweiten Künstler, Herwig Hofmeister, überrascht: „Unerwartet zeigst Du heute Nacktes, freilich in der gewohnten hellen Farbpalette und sinnlichen Malweise. Den Drehstuhl, auf dem Du Dein Modell hast sitzen lassen, und das Kleid, das es getragen hat, stellst Du mit aus. Du baust ein Environment, eine Installation. Du bietest Deinen Betrachter eine interaktive Performance-Option an. Er soll mitspielen. Du bist konzeptualistisch, intellektuell, verspielt. Möchtest Du den Voyeurismus der Kunstszene reflektieren?“ Man wird ja wohl mal fragen dürfen.
Zur Fotokünstlerin Aina Lappalainen sagt unser Laudator schließlich augenzwinkend: „Eine schönere Liebeserklärung an Deinen Heimatbezirk kann ich mir nicht vorstellen. Du verwackelst die Kamera, Du überbelichtest Dein Motiv, Du reduzierst damit auch die Farbpalette, und bleibst Dir gerade dadurch treu. Denn Du magst jetzt Polychromie zugelassen haben, aber Du hast sie mit sehr viel Geschmack auf einen niedrigen, sehr wirksamen Level beschränkt.“
Das Publikum war trotz widrigen Wetters in Scharen zur Vernissage erschienen. Vielleicht sind auch Sie jetzt neugierig geworden. Noch zu sehen ist die Ausstellung bis 28.1.2011 in der Ernststraße 14/16 in Baumschulenweg.


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