Kulturnews 10/2009

Peter Bloch:

Die Drachen sind los....

Foto: Herbert Liffers

Die Sommerferien sind fast zu Ende. Einige Kinder sind aus dem Urlaub zurück (Hartz IV ist Gott sei Dank noch nicht bei allen Familien allgegenwärtig), andere sind es müde, allein auf sich gestellt zu sein. Und dann kamen wir mit einer Idee, die wenigstens noch zu einem kreativen Abschluss der Ferien führen sollte.
Wir, das bin ich, Peter Bloch und mein Kollege Herbert Liffers, Mitarbeiter im Projekt „Kulturvermittlung mit lokalem Bezug“ vom Kulturring in Berlin e. V.. Die Idee kam uns beim „Bummeln“ durch den Kiez. Ich habe ja nichts gegen Graffitis, aber die teilweise sinnlosen Schmierereien überall in der Stadt sind grenzenlos. Dies etwas zu verändern, haben wir uns zur Aufgabe gemacht. Hört sich im ersten Moment vielleicht heroisch an, ist aber auch in kleinen Schritten durchaus schon machbar. Und was liegt näher, als das mit Kindern zu verwirklichen, sie schon früh dafür zu sensibilisieren, später nicht auch sprayend durch die Stadt zu laufen.
Der Ort war schnell gefunden. Eine ca. 30m lange Schutzmauer, die den Spielplatz in der Schöneberger vom dahinter liegenden Bahngelände trennt, sollte unser erstes Projekt werden. Die Hortkinder aus der nahen Teltow-Grundschule mit ihren Erziehern waren schnell dafür zu begeistern, mit uns gemeinsam die Wand zu gestalten. Das Thema gab uns der Spielplatz selbst vor: Er heißt „Drachenburg“. Herbert Liffers ließ die Kinder erst einmal Skizzen von Drachen, Burgen und Schlössern anfertigen, die er dann noch ausarbeitete. Ich kümmerte mich um die entsprechenden Genehmigungen, was wider Erwarten einfacher war als sonst im behördlichen Dschungel der vielen Formulare üblich. Die Deutsche Bahn als Besitzer der Schutzmauer war gleich einverstanden, das Grünflächenamt Tempelhof-Schöneberg als Betreiber des Spielplatzes und Wächter des „guten Geschmacks“ war auch schnell zu überzeugen, solange es nicht mit Kosten verbunden ist. Für diese hatten wir uns den Kiezfonds Kolonnenstraße ausgeguckt, der gerne solche kiezbezogene Projekte finanziell unterstützt.
Nach den Vorarbeiten (Einkauf, Beseitigen der Schmierereien, Vorstreichen der Wand und Vormalen einiger Skizzen) konnten die Kinder endlich kommen. Und wie sie kamen. Wir rechneten mit ca. 14, doch es waren dann doch über 20. Etliche von ihnen, angelockt durch unsere Aktivitäten der vergangenen zwei Tage, wollten unbedingt dabei sein. Selbst eine Mutter ließ sich den Spaß nicht entgehen. Und Spaß hatten alle. Es wurde ausgemalt und dazu gemalt, der Fantasie konnte freien Lauf gelassen werden. Blaue Drachen, grüne Burgen und aus dem Ei schlüpfende Babydrachen entstanden so in einigen Stunden. Alles in allem ein wunderschöner Tag, nicht nur für die Kinder. Eine Fortsetzung folgt.


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