Kulturnews 05/2009

Karl Forster:

Tanz & Theater – eine Idee wurde Realität

Foto: Natalija Sudnikovic

Kulturelle Initiativen gibt es viele, aber nicht viele halten lange Zeit durch. Da geht es nicht nur um das Problem der Finanzierung, sondern vor allem um den nötigen langen Atem der Akteure, um Geduld, Ausdauer und Engagement. Umso erfreulicher, wenn ein Projekt sein 10jähriges Bestehen feiern kann, wie das Ensemble T&T (Tanz und Theater).
Seine Initiatorinnen waren Natalija Sudnikovic und Elena Stoll, die sich Ende der 90er Jahre in dem gemeinsamen Bestreben fanden, ihre künstlerische Herkunft auch hier in Berlin umzusetzen. Elena Stoll hatte schon als Kind im sibirischen Omsk den Wunsch, einmal Ballett-Tänzerin zu werden. Diszipliniert trainierte sie und trat schon in der 8. Klasse zusammen mit professionellen Künstlern auf. Und so wurde Tanzen auch zu ihrem Beruf - und ihrem Glück. Denn bei ihrer ersten Arbeitsstelle sah sie ihr späterer Ehemann auf der Bühne. Ihm folgte sie zum Baikalsee, wo er als Militärangehöriger stationiert war. Im Jahr 2004 kam die Familie nach Deutschland, und auch hier hoffte sie, wieder in ihrem Metier tätig sein zu können. Natalija Sudnikovic, russischer Nationalität, in Kasachstan geboren und aufgewachsen, kam 1996 nach Berlin. Da war sie schon fünf Jahre verheiratet, hatte zwei Töchter (weitere zwei kamen später in Berlin dazu) und arbeitete als Lehrerin, wo sie an der Schule schon eine Theatergruppe leitete. Für Natalija Sudnikovic stand fest, sie will auch in der neuen Heimat wieder mit Kindern arbeiten.
Die Idee, welche die beiden Damen, die damals beim Verein Babel e.V. tätig waren, verband, war ein Projekt, in dem die Ansätze Tanz und Theater verbunden sind. Erste gemeinsame Veranstaltungen wurden im Kulturforum Hellersdorf organisiert. Zusammen mit dem Wechsel zum Kulturring in Berlin e.V. bekam das Projekt dann auch den Namen „Ensemble T&T“. War es bis dahin ein gemeinsames Programm, in dem Tanz- und Theatergruppe mitwirkten, konzipierte man jetzt ein Ensemble mit musikalischem und getanztem Theater. Kernpunkt des Ganzen war aber weiterhin die gründliche Ausbildung in altersgemäßen Gruppen. So gibt es heute Übungsgruppen für die Kleinsten ab 3 Jahren, Kinder ab 10 Jahren, Jugendliche ab 16 Jahren und Erwachsene. Die Teilnehmer sind zum großen Teil wie die Ausbilder russischsprachig. Mehr deutsche Mitwirkende wünschen sich deshalb die Initiatoren. Ein weiterer wichtiger Ansatz aber war auch die Vermittlung der heimatlichen, der russischen Kultur. „Wir wollten Jolka-Feste organisieren“, erläuterte die Tanzgruppenleiterin Elena Stoll. Und Theatergruppenleiterin und Regisseurin Natalija Sudnikovic ergänzte, man möchte „dem deutschen Publikum die russische Kultur, die russische Seele näher bringen“. Längst ist die Gruppe der Aktiven gewachsen. Neben den beiden Initiatorinnen ist da vor allem Tamara Badt zu nennen, die sich nicht allein um die Schminkarbeit kümmert, sondern für die zahlreichen in der Kostümwerkstatt des Kulturrings selbstgefertigten Kostüme zuständig ist. Als erwachsene Schauspieler sind Rosa Strauch, Ludmila König und Valeri Edel bei der Gruppe.
Höhepunkte sind Auftritte, die nicht nur in den Stammhäusern, dem Berliner deutsch-russischen Tschechow-Theater (BTT) und dem Kulturforum Hellersdorf, stattfinden. An Schulen und Kulturhäusern wird gastiert. Aber auch so „noble“ Adressen, wie das Berliner Rote Rathaus, sind beispielsweise Veranstaltungsort für ein Jolka-Fest. Ein ganz besonderer Höhepunkt war Anfang 2009 die Einladung einer Tanzgruppe des T&T nach St. Petersburg. Und gerne würde man weitere Kontakte zu Festivals ins In- und Ausland knüpfen. Doch erst einmal steht das große Jubiläumsfest zum 10jährigen Bestehen am 30. Mai im Hellersdorfer Kulturforum an. Alle ehemaligen und jetzigen Mitwirkenden der Tanz- und Theatergruppen, immerhin schon über 150, sind eingeladen. Als Überraschung wird ein Film mit Aufnahmen aus den verschiedenen Epochen des Ensembles gezeigt. Wie hatte Natalija Sudnikovic ihre Arbeit in einem Interview charakterisiert: „Während wir ein Theaterstück erarbeiten, fühle ich mich wie eine Alpinistin. Wenn wir dann endlich auf der Bühne stehen, fühle ich mich bereits auf dem Gipfel“. Beim Jubiläumsfest 10 Jahre T&T werden sie fest auf dem höchsten Gipfel stehen.


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