Kulturnews 10/2018

Armin Hottmann:

Vidubiology – Kreative Biologie für den Schulunterricht

Foto: Armin Hottmann

In den letzten Jahren sind immer wieder digitale Forderungen für eine zukunftsfähige Entwicklung in Deutschland aufgetaucht. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung möchte mit einem „DigitalPakt Schule“ vor allem eine digitale Infrastruktur mit vielen Milliarden Euro in den Schulen verankern. Dazu sollen dann die Länder außer der Betreuung der Technik pädagogische Konzepte für die Umsetzung entwickeln. Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nichts geschehen, weil es keine Grundgesetzvorlage für die „Einmischung“ des Bundes in die Bildungshoheit der Länder gibt. Auch fragen sich viele Experten, warum mit viel Steuergeld wieder, wie vor vielen Jahren, in Technik und wenig in die Fortbildung der Lehrkräfte und Entwicklung von guten Konzepten investiert werden soll. Auch deshalb, weil fast alle Schüler*innen schon gute Medientechnik in der Hosentasche haben.
Unabhängig davon wurde in Berlin und Brandenburg ein guter Schritt in Richtung Inhalt gemacht. Nach vielen Jahren des Wartens gibt es eine gute Grundlage für die Integration der Medienpädagogik für Berliner Schulen. „Basiscurriculum Medienbildung“ ist eine zehnseitige Vorlage mit sechs Standards, wie Medienpädagogik konkret im Unterricht eingebaut werden kann: Informieren, kommunizieren, präsentieren, produzieren, analysieren und reflektieren. „Kinder und Jugendliche leben in einer durch Medien wesentlich mitbestimmten Welt, wobei der Einfluss von Medien in allen Lebensbereichen weiter zunehmen wird. Diese Entwicklung stellt die Informationsgesellschaft und das Bildungssystem vor immer neue Herausforderungen.“ (Einführung zum Basiscurriculum)
Konkrete Beispiele, wie solch ein Curriculum in den einzelnen Fächern integriert werden kann, sind weiterhin gefragt. Genau das ist auch unser Angebot. Nach Jahren mit Sprachprojekten (vielleicht erinnert sich noch mancher an das Projekt Speech Bubbles, wo die Sprachen Europas mit von Kindern produzierten Videos vorgestellt wurden), Projekten zum Thema Geschichte und Sport, dem Mathematikprojekt vidumath sind wir jetzt beim Fach Biologie mit vidubiology gelandet. Auch hier entwickeln wir Ideen, wie eine praktische und reflektierte Videoproduktion den Unterricht unterstützen kann, wie Medieninhalten reflektiert werden können und wie damit all jene Kinder motiviert werden, die das Interesse am Lernen verloren haben.

Foto: Armin Hottmann

Das Fach Biologie bietet, im Vergleich zur Mathematik, wesentlich mehr visuelle Bezüge, auf die man einsteigen kann. Das Betrachten von biologischen Inhalten (vornehmlich Pflanzen und Tiere) sind Teil des Unterrichts. Auch hatten schon manche Schüler*innen die Möglichkeit, Objekte mit einem Mikroskop in der Nähe zu betrachten. Vidubiology möchte hier ansetzen und die Visualisierung mit Foto- und Videotechniken ausbauen, aber auch gleichzeitig eine medienpädagogische Grundbildung vermitteln.
Wie bei anderen EU-Projekten arbeiten wir an einer Bandbreite von Medienaufgaben. Angefangen von einfachen Fotoaufnahmen, die sich in Fotogeschichten entwickeln, bis zu Videoaufnahmen, bei welchen mit Geschwindigkeitsveränderungen gearbeitet wird. So können die Schüler*innen mit kostenlosen Apps Bewegungen von Tieren aufnehmen und dann die Geschwindigkeit der Aufnahme verändern. Es entstehen Zeitlupen für schnelle und Zeitraffen für langsame Tierbewegungen (der ziehende Wolkeneffekt). Auf diese Weise können die Schüler*innen Biologieinhalte und gleichzeitig die Bildsprache neu für sich entdecken.
Aber um welche Biologieinhalte dreht es sich? Erste Fotoserien widmeten sich dem Thema „Pflanzen und Tiere in den Jahreszeiten“. Spannend wird das, weil hier auch das Thema Europa ins Spiel kommt und eine unterschiedliche Pflanzenwelt zu unterschiedlichen Jahreszeiten präsentiert wird. Bei den Videoaufgaben kommen vor allem Tierbewegungen ins Spiel mit „Organismen in Aktion“. Die Kinder erforschen die Verhaltensweisen von Tieren (Warum und wieso verfärbt sich im jahreszeitlichen Verlauf das Fell oder Gefieder von Tieren? Wie überwintern Tiere?), artspezifische Bewegungen und körperliche Anpassung zur Fortbewegung, Ernährung oder Paarung (Warum und wie fliegen Vögel? Wie trinken Hunde? Wie saugen Bienen Nektar aus der Blüte? Wie bewegen sich Schnecken fort?). Im Moment entwickeln wir hier Materialien für einen Zoo Workshop in Chester / UK für Anfang Oktober.
Das Team mit Biolog*innen von den Universitäten in Kassel und in Reykjavík (Island) sind für die Inhalte zuständig, die Medienpädagogen des Kulturring bringen die Medien dazu, eine Netzwerkschule in Sofia (Bulgarien) und unser langjähriger Partner Kindersite Ltd. aus England stellen sicher, dass die entwickelten Inhalte, Handreichungen, Beispielvideos und Video-Tutorials Lehrer*innen in ganz Europa erreichen. Alle Ergebnisse sind wieder als offene Lernressourcen kostenlos verfügbar. Schauen Sie doch mal rein:
http://vidubiology.eu (Alle Materialien mit deutscher Übersetzung findet man im Bereich „content“) www.facebook.com/viduBiology.
Link Basiscurriculum:
https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/rlp-online/b-fachuebergreifende-kompetenzentwicklung/basiscurriculum-medienbildung/bedeutung/


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