Kulturnews 07/2018

Petra Hornung:

Die Sonne blendet

Die Sonne blendet, 2014, Abb.: Gertraud Wendlandt

Vor sechs Jahren etwa gab es bereits diese Begegnung der Plastiken Gertraud Wendlandts mit den Bildern von Jana Slawinski. Und genau wie damals, führte dieser spannungsreiche Dialog zu jenem Klang, von dem man sich gern gefangen nehmen lässt und der in dieser Ausstellung wohl noch an Dichte und Intensität gewonnen hat. Die Bildhauerin kann ein umfangreiches, hoch geschätztes Ouevre ihr eigen nennen. Sie arbeitet in ihrem Beruf. Jana Slawinski war immer schon eine der Kunst Nahestehende. Sie zeichnet, fotografiert, modelliert. Zum ernstzunehmenden Lebensmittelpunkt ist neben ihrer Arbeit seit ca. 10 Jahren die Malerei geworden. Die Resultate können sich sehen lassen in ihrer überraschend professionellen Qualität. Es macht ganz einfach Freude, dieses Aufspüren von unvermuteten Berührungspunkten innerhalb der Ausstellung. Zartes und Sprödes, zeichenhafte Setzungen zu lyrischen Attitüden, scheinbar Schutzummanteltes, scheinbar in melancholischer Schwebe tanzend, introvertiert oder nach Außen strebend, kollidiert nicht. Vielmehr baut sich eine sorgfältige, fast behutsame Balance auf, die unserer Sehnsucht nach Harmonie zwar ein Stückchen entgegenkommt, schmeichelnd bestätigt wird sie indessen nicht. Zu ambivalent, zu feinnervig und zu ernst sind die künstlerischen Botschaften, als dass sich die Schönheit in ungetrübter Sicherheit wähnen könnte.
Viel zu entschieden meiden Skulptur und Bild den Glanz, die Politur, die Läuterung, und doch ist es kein zu unterschätzender Reiz, wenn die künstlerischen Behauptungen der Form in einer fast gegenläufigen Mentalität, wie in dieser Schau, sich eben nicht in Frage stellen. Eher bestätigen sie das Eigene und entfalten so eine höchst bewegte Aura, wie eine lautere, feingeistige Frische, die in ihrer Greifbarkeit dennoch ihre Geheimnisse zu hüten wissen. Diese erregte Malerei stellt mit ihren geradezu klingenden Dissonanzen, den Abstand gebietenden abstrakt-figürlichen Steingüssen eine Regung anheim, die in den beredten spurenreichen Oberflächen bereits als Potenz angelegt ist. Unterbewusstes tritt mitunter zu Tage, in verschiedenen Graduierungen, bis sie ihren Halt in der Andeutung finden.
Auch wenn „die Sonne blendet“ sollte man sich auf dieses spannende Schau- und Deutungserlebnis einlassen.
Die Sonne blendet – Ausstellung in der Kulturbundgalerie Treptow vom 20.8. bis 28.9.2018, Vernissage, 17.8.18, 19 Uhr.


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