Kulturnews 04/2018

Ingo Knechtel:

Bewahren,

etwas aufheben oder einfach Platz machen für Neues, die alten Sachen sind doch nur im Weg? Wer hat nicht schon einmal vor dieser Frage gestanden. Meinen alten Timex Sinclair ZX81, darauf hab ich das Programmieren gelernt, mit einer Speichererweiterung auf sagenhafte 16 KB, es gab dazu Kassetten mit Schachspielen, den hab ich ganz schnell weggeworfen, als die Ataris und Commodore-Geräte aufkamen. Zum Glück habe ich andere, sehr alte Sachzeugen von Eltern und Großeltern aufgehoben. Es sind spannende Geschichten, die damit zu erzählen sind, Erinnerungen und Erfahrungen, die Erlebtes lebendig machen. Es gibt Fotos, Filme, Tonbänder, unzählige schöne und auch weniger schöne Tage, die so festgehalten wurden. All das ist unsere Geschichte. Und es sind Geschichten, die wir weitererzählen können und sollten. Die Alltagsgeschichte kann manches viel besser verständlich machen als oft trockene Lehrbücher. Das eine oder andere wandert dann sogar in Museen, häufig auch ganz kleine, die es überall gibt. Die Heimatmuseen gehören zu den liebsten, die ich besuche. Zum Glück gibt es sie ja nicht nur in Deutschland. Aber auf den Geschmack gekommen bin ich schon hier, ganz konkret als Kind in den Thüringer Bauernhäusern in meiner Heimatstadt Rudolstadt. Da gab es so vieles zu entdecken, und spannende Geschichten über das Leben früher wurden erzählt. Daran musste ich denken, als ich im vorigen Jahr auf der Insel Skye in Schottland Urlaub machte und eine Station das wunderbare Museum of Island Life in Kilmuir war. Auch im Jahr davor auf Bornholm habe ich so ein Museum besucht. Wieviel Mühe und persönliches Engagement, wieviel Sammelleidenschaft und Entdeckerlust sind da zu spüren, und wieviel von der Überzeugung, somit auch wichtige Lebenszeugnisse zu bewahren. Heimat und Geschichte, beide hängen eng zusammen, sind für viele Enthusiasten in Vereinen ein Betätigungsfeld. Die Begeisterung dafür ist ansteckend, vor allem wenn sich die Interessenten untereinander austauschen können, wenn sie sich gegenseitig mit ihrem Wissen anspornen. Gerade erst hat sich unter dem Dach des Kulturbunds im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen eine AG Heimatpflege neu gegründet. Im Kulturring in Berlin arbeiten die Geschichtsfreunde Karlshorst schon seit Jahren äußerst engagiert, wie Sie auch in diesem Heft lesen können. Vielleicht brauchen die vielen ehrenamtlich arbeitenden Heimatforscher und Regionalgeschichtler aber mehr Ermutigung für ihre Arbeit als ein neues Heimatministerium. Da fiele mir schon sehr Konkretes ein, um die Zeugnisse aus vergangenen Tagen noch besser erschließen und junge Menschen dafür begeistern zu können. Sehen wir im Bewahren auch eine gemeinsame Verantwortung, die all die Mühen lohnt.


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