Kulturnews 03/2018

Ed Koch:

10 Jahre MedienPoint Tempelhof

Foto: MedienPoint Tempelhof

Es gibt in Berlin Tausende von Vereinen und Initiativen, die von Ehrenamtlichen getragen werden und sich mit Sport, Kultur, Kinder- und Jugendarbeit sowie Seniorenbetreuung beschäftigen. Jede dieser Einrichtungen hätte die Wertschätzung des Stadtoberhauptes verdient, besucht und gewürdigt zu werden. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller sucht sich dann und wann ein Projekt aus und schaut vorbei. So wird es zum zehnjährigen Bestehen des MedienPoint Tempelhof, ein Projekt des Kulturring in Berlin e.V., am 12. März sein. Michael Müller hat in seinem Bürgerbüro schon vorab Bücher gesammelt, die er mitbringen wird.
Der Tempelhofer MedienPoint, 2008 zuerst in Neu-Tempelhof, dann in der Kunigundenstraße und seit 1. September 2010 in der Werderstraße 13, ist seit Beginn eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Seit seiner Eröffnung haben den kleinen Laden rund 97.000 Menschen besucht, die über 300.000 Medien mitnahmen, die zuvor von anderen Besuchern gebracht wurden. Der MedienPoint Tempelhof ist zu einem Kieztreffpunkt geworden, wo man freundlich empfangen wird und sich gern aufhält. Hinzu kommt die fachmännische Beratung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Herz und Seele des MedienPoints ist seit fast zehn Jahren Henning Hamann, einst erfolgreicher Rundfunkmoderator. Jetzt managt er als Ehrenamtlicher den MedienPoint mit rund zehn Mitarbeitern. Für ihn war es nie genug, Medien, wie Bücher und CDs und auch Stofftiere, einzusammeln und weiterzugeben. Sein Anspruch war, mit dem MedienPoint ein kleines Kulturzentrum zu schaffen. Dafür wurde Hamann 2016 mit der Verdienstmedaille ausgezeichnet.
Links neben der Eingangstür befindet sich ein Schaufenster, nicht all zu groß, aber immerhin. Was sich in diesem Fenster in den vergangenen Jahren im wahrsten Sinne des Wortes abspielte, ist äußerst bemerkenswert. In ständigem Wechsel finden Ausstellungen zu bestimmten Themen oder Würdigungen prominenter Persönlichkeiten, Schriftsteller, Künstler oder Politiker statt. Die Ausstellungen ziehen sich oft bis ins kleine Ladengeschäft hinein. Die Wände werden Monat für Monat immer wieder neu mit großen Postern dekoriert, die DIN A4-Seite für DIN A4-Seite ausgedruckt und mit großer Geduld und Genauigkeit zusammengefügt werden. Eine unglaublich anstrengende Arbeit. Die Besucher danken es dem MedienPoint-Team.
Eine weitere Besonderheit des Tempelhofer MedienPoints war seit 2012 der monatlich herausgegebene „Werdi Newsletter“. Die 500 Exemplare gingen im Laufe eines Monats weg wie warme Semmeln, und oft musste nachgedruckt werden. Im Dezember erschien leider die letzte Ausgabe, die Nummer 71. Druckerzeugnisse gibt es genug; es sind aber gerade die kleinen, feinen Kiez-Zeitungen, die das Leben bunt und interessant machen. Im „Werdi Newsletter“ versammelten sich viele Aktive aus dem Bezirk mit interessanten Kolumnen, garniert mit ausführlichen Infos zu den Ausstellungen und Veranstaltungen des MedienPoints. Besonders spannend waren aber die Buchtipps und die Geschichten über prominente Zeitgenossen, die einen runden Geburtstag feierten. Das Layout des Newsletters war bunt und ansprechend und wurde mit enormem Aufwand und Liebe gestaltet.
Damit aber nicht genug. Wenn man den Laden sieht, glaubt man es kaum, dass hier auch Veranstaltungen stattfinden können. Es ist aber so. Zu vielen Themen fanden Lesungen mit Autoren statt, und der bekannte Berliner Sänger Klaus Hoffmann hat hier sogar seinen 65. Geburtstag im Rahmen einer Veranstaltung gefeiert. Der MedienPoint erfindet sich immer wieder neu. Und einmal im Jahr verlässt er für ein Wochenende seine Räume, zieht mit Hunderten von Büchern aufs Spielfest des Jugendamtes Tempelhof-Schöneberg in den Volkspark Mariendorf.
Zu den Kindern im Bezirk hat der MedienPoint Tempelhof beispiellos eine besondere Beziehung aufgebaut. Zu Ostern und am Nikolaus-Tag lädt er die benachbarten Kindertagesstätten ein. Bei Kakao, Ostereiern oder Schoko-Weihnachtsmännern wird in der Werderstraße gefeiert. Bis zu 500 Kinder befinden sich dann vor dem MedienPoint. Für diese Aktionen findet der Kulturring immer wieder prominente Unterstützer, wie die Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler, den Jugendstadtrat Oliver Schworck, die Bildungsstadträtin Jutta Kaddatz und vor allem die ehemalige BVV-Vorsteherin Petra Dittmeyer, denn durch ihre Spenden werden diese Ereignisse für die Kinder erst möglich. Und alle diese genannten Promis kommen in regelmäßigen Abständen mit gut erhaltenen Büchern vorbei, die sie nicht mehr brauchen. Bis in den Bundestag hat sich inzwischen herumgesprochen, dass man im Tempelhofer MedienPoint auf Bücher wartet. Der Bundestagsabgeordnete Dr. Jan-Marco Luczak hat schon mehrfach gut gefüllte Kartons vorbeigebracht.
Zum Jubiläum gibt es nur einen Wunsch, nämlich, dass es so wie es ist, noch sehr lange weitergehen möge.


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