Kulturnews 03/2018

Dr. Bärbel Laschke:

Der Rheinsteinpark –

ein Ort der Kultur, Erholung und des Sports mitten in Karlshorst
Foto: Bärbel Laschke

Sommertheater, Kulturpark Karlshorst, Rosensichtungsgarten, Park mit Kurort-Charakter, Naherholungszentrum – das sind die Bezeichnungen, die der Rheinsteinpark im Laufe seines Bestehens hatte. Doch der Reihe nach. Spannend ist schon die Frage, seit wann es den Rheinsteinpark eigentlich gibt. Der kleine Park mit ca. 2 ha befindet sich inmitten eines Altbauwohngebietes, das von der Rheinsteinstraße, der Königswinterstraße und der Andernacher Straße begrenzt wird. Die Rheingoldstraße durchquert ihn.
Betrachtet man einschlägige Karten von Karlshorst, so verwirrt das eher, denn schon seit ca. 1910 ist an der Rheingoldstraße ein Platz eingezeichnet, der der Ausdehnung des Parks ähnelt. Daraus resultiert, dass verschiedene Autoren dem Park bereits einen langen Bestand zuschreiben. Sogar von 100 Jahren ist die Rede, und seine Entstehung wird zusammen mit dem Vorwerk genannt. Andere Karten zeigen wiederum eine Parzellierung entlang der querenden Rheingoldstraße zumindest auf einer Seite. Fakt ist, dass sich die Gemeinde hier rechtzeitig Land für einen Schulbau gesichert hat, denn es war abzusehen, dass mit dem Wachstum von Karlshorst die vorhandenen zwei Schulen nicht ausreichten. Damit wurde Bestrebungen einer durchgehenden Bebauung der Rheingoldstraße entgegengewirkt, was die Terraingesellschaft Karlshorst zu gern getan hätte.
Da zunächst keine Schule gebaut wurde (bis heute nicht), entstanden auf der Fläche Schulgärten. So steht 1929 im Bericht des Bezirksamtes Lichtenberg, dass die 29. Schule (Gundelfingerstraße) in der Königswinterstraße eine Gartenarbeitsschule mit 1.700 qm Fläche und die 30. Schule (Ehrlichstraße) mit 2.950 qm erhielten. Doch mit der Machtübernahme der Nazis wurden nicht nur Schulen aufgelöst, sondern auch Schulgärten mit der Begründung, die Wege wären zu weit. Die beiden Schulgärten in der Rheinsteinstraße/Königswinterstraße wurden an die paramilitärische Nazi-Sturmabteilung SA und den Bund Deutscher Mädel (BDM), dem weiblichen Zweig der Hitlerjugend, verpachtet.
Nach Kriegsende lag dieses Gelände im Sperrgebiet von Karlshorst, was ihm zum Vorteil gereichte. Jetzt schlug die Geburtsstunde des Parks! Im Auftrag der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) wurde das Sommertheater Königswinterstraße – so die Bezeichnung in den Dokumenten des Landesarchivs Berlin –, ein Park der Kultur und Erholung wie er auch in sowjetischen Städten zu finden ist, angelegt. Im Jahr 1946 erhielt die Firma Wilhelm Gottschalk aus Berlin-Niederschönhausen den Auftrag für die „Ausführung der Erdarbeiten für den Bau der Freilichtbühne in Karlshorst“. Dafür wurden 6.310,00 Reichsmark veranschlagt. Der Bau der Freilichtbühne kostete dann 28.915,32 RM.
Lagepläne des Grünflächenamtes Berlin-Lichtenberg zeigen, dass der Hauptzugang zum Sommertheater an der Ecke Königswinter-/Rheinsteinstraße war, so wie wir ihn heute noch kennen: die große halbrunde Freitreppe, der Springbrunnen (bis 1990), das Rondell um den Springbrunnen mit Sitzbänken und die abzweigenden Wege. Damals gab es hier noch zwei Kassengebäude. Rechts vom Eingang befand sich die große Freilichtbühne und etwas weiterhin, abgetrennt durch Gehölze, eine kleinere Holztribüne, davor eine Tanzfläche und Verkaufsbuden. Eine Kostenschätzung für Instandsetzungsarbeiten von 1948 lässt erahnen, was außerdem im Kulturpark noch vorhanden war. So z. B. Ausschankräume, Toiletten, Erfrischungshalle, zahlreiche Holzspaliere und Pergola usw. Natürlich gab es auch einen großen Kinderspielplatz, auf der Seite zur Waldowallee hin gelegen.

Foto: Bärbel Laschke

Mit der schrittweisen Aufhebung des Sperrgebietes wurde das Gelände des Sommertheaters der deutschen Bevölkerung wieder zurückgegeben. Im Juli 1963 verpflichteten sich Lichtenberger Handwerker im Nationalen Aufbauwerk (NAW), „die Anlagen des (wie es jetzt heißt) Kulturparks Karlshorst und die Freilichtbühne in freiwilliger Arbeit instand zu setzen und neu zu gestalten“. Schätzungsweise wurden hierbei Arbeiten im Wert von 50.000 DM geleistet.
Ende Mai 1967 „wurde der ehemalige sowjetische Sommerpark in der Rheinsteinstraße in Karlshorst der Bevölkerung übergeben.“ Die kleine Freilichtbühne ist die Holztribüne aus dem ehemaligen sowjetischen Park. Auch die Tanzfläche und die Verkaufsbuden wurden in den neu gestalteten Park integriert, ebenso wie der repräsentative Zugang und der Springbrunnen sowie ein Kinderspielplatz.
In den Folgejahren bis 1989/90 fanden hier zahlreiche Konzerte, Wettbewerbe von Chören sowie von Sportgruppen, gemeinsame Kulturveranstaltungen mit sowjetischen Ensembles und Ähnliches statt. So wurde in der Berliner Zeitung von Auftritten des Kinderensembles Lichtenberg, des Akkordeonorchesters, des Jugendkabaretts „Laterna satirika“, sowjetischen Laienkünstlern oder Thüringer Volkskunstgruppen berichtet. Regelmäßig zum 1. Mai, zum 8. Mai, zum Internationalen Kindertag und am 7. Oktober gab es im Park Volksfeste, wo auch das Tanzbein geschwungen werden konnte.
Aus Anlass des 25jährigen Bestehens der DDR wurde 1974 der Rheinsteinpark erneut umgestaltet. Er wurde ergänzt durch die Anpflanzung der „schönsten Rosensorten“, offiziell einen sog. „Rosensichtungsgarten“, sowie durch ein Freizeit-Spiel-Sport-Zentrum. Auf einer Kleinsportanlage konnte man u.a. Minigolf, Federball, Schach und Tischtennis spielen.
Im Zuge verschiedener Straßenumbenennungen 1976 wurden die Rheinsteinstraße sowie der Park nach Fritz Schmenkel benannt, einem Antifaschisten, der von den Nazis hingerichtet wurde. Auch wurde auf der großen Wiese am Eingang die Skulptur „Die Knieende“ von Carl Trumpf aufgestellt, die vorher am Bahnhofsvorplatz, Treskowallee – nunmehr Hermann-Duncker-Straße – Ecke Wandtlitzstraße stand. Im Jahr 1989 musste sie wegen notwendiger Sanierung in die Werkstatt und wurde durch die „Große Laufende“ von Jürgen Pansow ersetzt.
Zum 100jährigen Bestehen von Karlshorst 1995 wurde der Park letztmalig als Kulturpark genutzt, mit Musik und Darstellungen in Volksfestart. Allerdings war nach der politischen Wende 1989/90 schon vieles dem Verfall überlassen. So die kleine Freilichtbühne und die Holzverkaufsstände, die dann auch bald abgerissen wurden. Der Springbrunnen sprudelte schon lange nicht mehr, da niemand für Pflege und Wasserkosten aufkommen wollte. Übrigens stand er wegen seiner historischen Herkunft unter Denkmalschutz. Er wurde zugeschüttet und mit Blumen bepflanzt.
Dennoch ist der – wieder rückbenannte – Rheinsteinpark nach wie vor ein Zentrum zur Erholung und sportlichen Betätigung in Karlshorst. Insbesondere Familien ziehen die beiden Kinderspielplätze sowie die großen Rasenflächen zum Ballspielen und Picknick an. Es kann auch Tischtennis gespielt werden. In den Jahren 2016/17 wurden die Wege und Grünflächen grundlegend saniert, und der Park erhielt wieder ein schöneres Antlitz. Unbedingt erwähnt werden sollte auch die Aufstellung einer Öko-Toilette. Insbesondere der Kleinkinderspielplatz, ursprünglich als Kompensation für die Überbauung eines Spielplatzes in der Rheinsteinstraße durch den privaten Investor angelegt und jetzt vom Bezirksamt als Ritterparadies neugestaltet, begeistert die Kleinen. In die Gestaltung flossen die Wünsche und Vorstellungen der Kinder aus der Kita „Tapferes Schneiderlein“ ein.
Zahlreiche Bänke laden zum Ausruhen ein, und mancher Rentner genießt die grüne Umgebung und erfreut sich an den spielenden Kindern. So bietet der Park für jede Altersgruppe etwas.
Die Autorin ist Mitglied der Geschichtsfreunde Karlshorst im Kulturring in Berlin e.V.


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