Kulturnews 11/2017

Georg Bothe:

Radierungen leicht gemacht

Skizze und Druckplatten, Foto: Georg Bothe

Abgesehen von der Sommerpause in den Monaten Juli und August, den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel, trifft sich der Abendkurs Radierung (Radierkurs 2) in der Regel jeden Donnerstag von 19 bis 22 Uhr in den Räumen des Studios Bildende Kunst in Lichtenberg. Momentan besteht dieser fortlaufende Kurs aus sieben bis neun Grafik-EnthusiastInnen, die teils direkt aus dem Wohngebiet, teils aus angrenzenden Stadtteilen kommen und sozusagen den TeilnehmerInnen-Stamm bilden. Größtenteils gehen sie selber künstlerisch-kreativen Tätigkeiten im Berufsleben nach, und so stellt der Abendkurs Radierung für sie ein Weiterbildungsangebot in einem anderen Medium, der Druckgrafik eben, dar. Doch genauso richtet sich der Kurs an künstlerisch interessierte Laien im Freizeitbereich, wobei Vorkenntnisse in der Technik der Radierung zwar oft schon vorhanden, nicht aber Bedingung zur Teilnahme sind. Ebenso ist die Vermittlung gestalterischer Grundlagen für Jugendliche und junge Erwachsene als berufsorientierende Vorbereitung Kursinhalt. Die im Vergleich zu Volkshochschulkursen geringere Teilnehmerzahl erklärt sich aus der individuellen technischen Betreuung und einer begrenzten Zahl von Arbeitsplätzen in der Druckwerkstatt, in der das Anfertigen von Ätzradierungen und die Arbeit an der Tiefdruckpresse Teilnehmerbeschränkungen bedingen.
Eine gründliche Unterweisung in die technisch-handwerklichen Aspekte der Radierung erfolgt, Schritt für Schritt und praxisorientiert, im Kurs. Dazu gehört zuallererst auch die Vermittlung von Werkstattregeln (das Herstellen einer Tiefdruckplatte, wie auch ein handgefertigter Abzug von dieser, erfolgt in mehreren Arbeitsschritten, wobei jedem Arbeitsschritt ein eigener Bereich in der Werkstatt zugewiesen ist). Deshalb dienen die Werkstattregeln sowohl dem Verständnis für die Herstellung einer Original-Druckgrafik, als auch der tieferen Einsicht in Sicherheitsvorkehrungen, die sich allein schon aus der druckgrafischen Praxis (insbesondere der Arbeit am Staubkasten, beim Aufschmelzen des Kolophoniums, beim Ätzen der Platten im Eisen-(III)Chlorid-Bad und beim Umgang mit Lösungsmitteln) ergeben und auf deren unbedingte Einhaltung geachtet wird.
Anhand mitgebrachter Arbeitsproben wird das Vorgehen den individuellen Vorstellungen, Wünschen und Erwartungen der TeilnehmerInnen angepasst, meist bildet jedoch die handwerklich weniger aufwändige Kaltnadelradierung den Ausgangspunkt der Beschäftigung mit der Radierung. Daran anschließend folgen dann normalerweise diejenigen Radiertechniken, bei denen die Druckplatten im Ätzverfahren hergestellt werden (Aquatinta, Reservage oder Aussprengtechnik, Weichgrundätzung Vernis mou, Mischtechniken und experimentelle Verfahren).

nach erfolgter Ätzung, fertiger Abzug, Vergleich der Abzüge, Foto: Georg Bothe

Von großer Bedeutung für den Kurs ist darüber hinaus eine rege und niveauvolle gedankliche Auseinandersetzung und der lebendige Austausch in künstlerischen Fragen. Mit eingeschlossen ist dabei auch ein differenziert vermittelter Leistungsanspruch in offener, vertrauter Atmosphäre, ein verständnisvolles Gefordert-Werden von Neueinsteigern bei gleichzeitiger Hilfestellung durch die schon Erfahreneren und den Kursleiter.
Gemeinsames Anliegen aller Beteiligten, der TeilnehmerInnen wie des Kursleiters, ist es, im Rahmen von Kurspräsentationen und Ausstellungsteilnahmen, Druckworkshops und anderen Veranstaltungen die Auseinandersetzung mit der tradierten Technik der Radierung ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu bringen. Eine rege Ausstellungsbeteiligung im Bezirk Lichtenberg und berlinweit ist deshalb nur folgerichtig und belegt die lebendig-dynamische Struktur des Kurses, der im Rahmen der Angebote des Kulturring in Berlin e.V. zu einem kontinuierlich wahrgenommenen Anziehungspunkt des Studios Bildende Kunst – Werkstattgalerie geworden ist und weiterhin bleiben soll.
Und anscheinend rückt die Druckgrafik gerade wieder verstärkt in den Fokus des öffentlichen Interesses. Im Februar dieses Jahres war die Sonderschau innerhalb der Kunstmesse „ART Karlsruhe“ der Druckgrafik gewidmet, was teils kritisch kommentiert, andererseits aber auch im Sinne eines wichtigen, künstlerischen Experimentierfeldes verstanden wurde; eine Einschätzung, die die KursteilnehmerInnen durchaus teilen. Darüber hinaus wurde auch auf eine sehr aktive internationale Grafik-Szene aufmerksam gemacht, was an zahlreichen, internationalen Druckgrafik-Veranstaltungen abzulesen ist. Informationen über Termine und Veranstaltungen stehen seitdem im Kurs zur Verfügung, um die TeilnehmerInnen zu ermutigen, sich doch auch gelegentlich für solche Veranstaltungen zu bewerben. Erste Früchte hat dieses Vorhaben schon getragen: momentan hängen einige kleinere Arbeiten auf einer jurierten Grafikschau in Sofia/ Bulgarien, und auch auf der „First International Print Biennale Yerevan 2017“, die im November stattfindet (und zu der ein Katalog erscheint), werden Arbeiten aus dem Abendkurs Radierung des Studios Bildende Kunst zu sehen sein.


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