Kulturnews 10/2017

Felix Hawran:

Die schönen Hosen – der Fotograf Fritz Kühn

Die schönen Hosen, Hiddensee, 1951-1953, Foto: Fritz Kühn

Fritz Kühn (1910-1967), Kunstschmied und Fotograf, Metall- und Schriftgestalter, Zeichner und Buchautor, Unternehmer und Lehrer, stellte das Verhältnis von Naturform und Kunstform in den Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens. In der Natur fand er ein Vorbild für die schöpferische Bewältigung von Problemen der technischen Zivilisation und ungelösten Fragen der Nachkriegszeit.
Als Kunstschmied gestaltete er unter Anderem den Brunnen am Strausberger Platz in Friedrichshain, das A-Portal der Berliner Stadtbibliothek in Mitte sowie eine riesige Gitterskulptur in Form des menschlichen Brustkorbs für den bundesdeutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Brüssel 1958. Weniger präsent ist heute zu Unrecht sein fotografisches Werk, welches vier Jahrzehnte umspannt und erstmals in diesem Umfang in der von der Fotogalerie Friedrichshain gemeinsam mit Helgard Kühn kuratierten Retrospektive zu sehen ist. Neben einer Auswahl aus allen Fotobüchern zeigt die Ausstellung auch bisher unveröffentlichte Aufnahmen aus dem Nachlass. Anlass ist der 50. Todestag Fritz Kühns und gleichzeitig der 80. Geburtstag seines Ateliers in Berlin-Bohnsdorf.

Arbeitslos, Selbstportrait, 1932, Foto: Fritz Kühn

Fritz Kühn fotografierte seit seinem 16. Lebensjahr. Sehr früh hatte er sich für eine Spiegelreflexkamera Marke Rollei im 6×6-Format entschieden, die er zeitlebens mit sich führte. Fotografien wurden erstmalig 1931 im „Berliner Tageblatt“ veröffentlicht. 1933 wurde er bereits mit anderen Fotografen ausgestellt: „Die Kamera. Ausstellung für Fotografie, Druck und Reproduktion“ in den Messehallen am Funkturm. Einen Höhepunkt markierte die Ausstellung „Gottes Harte Herrlichkeit“ mit Großformaten bis 3 x 3 Meter in den Messehallen am Funkturm in Westberlin anlässlich des Evangelischen Kirchentages 1961 - unmittelbar vor dem Bau der Berliner Mauer und damit politisch hochbrisant.
Fritz Kühn konzipierte und gestaltete sechs Fotobücher:
1951 – Sehen und Gestalten –
Seemann Verlag Leipzig
1953 – Aus meiner Gräsermappe –
Seemann Verlag Leipzig
1958 – Licht Land Wasser. Erlebnisse auf einer Insel – Verlag der Nation Berlin
1959 – Kompositionen in Schwarz und Weiss – Bruckmann Verlag München
1964 – Gottes harte Herrlichkeit –
Evangelische Verlagsanstalt Berlin
1964 – Stufen –
Henschelverlag Berlin / D. W. Callwey München
Der Nachlass umfasst etwa 3.500 Aufnahmen der künstlerischen Fotografie und 2.300 Aufnahmen des eigenen Schaffens als Metallbildhauer, Kunstschmied und Restaurator; zudem 4.000 Negative, 150 großformatige Glasplatten und 22 Kleinbildfilme sowie Filmrollen.
Text unter Verwendung von:
- Fritz Kühn, das photographische Werk 1931 bis 1967; 1998 Berlinische Galerie
- Webseite Fritz-Kühn-Gesellschaft e.V.
(http://fritz-kuehn-gesellschaft.de)
Ausstellungsdauer:
29. September – 10. November 2017
- Filmvorführung Lebendes Eisen (1954) in Anwesenheit von Achim Kühn, Donnerstag, 19. Oktober, 19.00 Uhr
- Lesung mit Helgard Kühn: Wasser, Erde, Luft, ... Eisen und Die kleinen Dinge bauen die Welt von Fritz Kühn, Freitag, 10. November, 19.00 Uhr
Fotogalerie Friedrichshain
Helsingforser Platz 1, 10243 Berlin
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr, Sa: 14-18 Uhr / Do 10-20 Uhr Eintritt frei
S- und U-Bhf Warschauer Str I Tram M10 und M13
www.fotogalerie.berlin


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