Kulturnews 10/2017

Gerhard Metzschker:

mindestens zwei?

Foto: Lutz Liebe

Notwendige Anmerkungen zu der Fotoausstellung Vorzeige 2017 „Formen der Kommunikation“ des Color-Clubs Berlin-Treptow in der Kulturbundgalerie Treptow
Nicht nur die Menschen, auch Tiere verständigen sich untereinander durch Sprache, Zeichen oder Gebärden. Die meisten der 20 Klubmitglieder beteiligten sich an der Jahresaufgabe, typische Verhaltensmuster zu ermitteln und einige Besonderheiten, die oft als Dialog verborgen bleiben, gestalterisch hervorzuheben und zu präsentieren. Der nachdenkliche Bildbetrachter wird ohne Mühe alle Bilder schnell interpretieren und darüber hinaus sicherlich etliche Situationen neu entdecken.
Wir werden in eine Welt geboren, die uns zunächst ganz unbewusst als Element einer Sozialgemeinschaft ausweist. Die hier mit überwiegender Mehrheit akzeptierten Verhaltenskulturen, die das Zusammenleben erst ermöglichen, sind ohne Sprach- und Schriftgebrauch nicht denkbar. Parallel dazu haben sich entsprechend typische, optisch wahrnehmbare Ausdrucksformen entwickelt, die die aktuelle Stimmung einer Person, insbesondere beim Sprechen und Hören, prägen. Eindeutige Beispiele sind Mimik und Gebärden bei Freude, Trauer, Bedenken, Zustimmung, Ablehnung; die Reihe ließe sich fortsetzen. Weniger triftig sind allerdings mögliche Ausformungen in Verbindung zum Lesen und Schreiben. Der optisch sensibilisierte Fotograf kann diese Aspekte als lohnendes Motiv für sich entdecken und, weil der Motivhorizont sehr weit gefächert ist, einen definierten Teilbereich, der auf vergleichbare Inhalte orientiert, auswählen und damit eine bei ungenauer Zielbestimmung sonst häufig anzutreffende, langweilige Motivbeliebigkeit vermeiden. Das Problem in einer Fotogemeinschaft besteht natürlich in den unterschiedlichen Interessengebieten der Mitglieder, denen zufolge eine sehr enge Motivbegrenzung auch eine analog enge Beteiligungsgrenze nach sich zieht, die am Ende in Soloausstellungen der Autoren mündet.

Foto: Elfi Krüger

Die einjährige Vorbereitung auf diese Ausstellung begann mit der Orientierung auf die sprachliche Kommunikation und der Interpretation des nun vereinbarten Themas „Dialog“. Einigkeit bestand, dass zum Dialog eigentlich mindestens zwei Personen gehören, aber muss die zweite Person immer auch real existieren? Kann sie nicht im Sinn einer zulässigen Erweiterung des Bereichs durch ein eine imaginäre Kontaktperson vertretendes Symbol (Foto, Gemälde, Brief) ersetzt werden, mit dem der Agierende sich gedanklich in Verbindung setzt oder durch Symbole, die sich politisch oder durch einen Glauben manifestieren, oder durch Kontakt mit technischen Systemen? Für die Klubmitglieder waren das keine Probleme. Ein noch weiter gehender Aspekt kam aber mit den zahlreichen Beziehungen zwischen Mensch und Tier und zusätzlich die Kommunikation zwischen mindestens zwei Tieren ins Gespräch. Die sachlich geführten Debatten wogen zwischen dem Verlust der engen thematischen Begrenzung und der eher als Schmankerl gesehenen Erweiterung ab, eine ausschöpfende Tiervariante kann aber letztlich nur als separate Ausstellung zur Geltung gebracht werden. Außerdem will der Klub, wie bereits angemerkt, auf das Leistungsangebot aller Mitglieder zur Teilnahme an der gemeinsamen Jahresausstellung Rücksicht nehmen. Die Konsequenz bestand nun wegen der auf das Tierreich nicht zutreffenden Definition „Dialog“ in der korrekten Umbenennung des Themas in „Kommunikation“.
Die kuratierte Ausstellung bietet nun sowohl dokumentierte Alltags-Situationen auf der Straße, als auch kreativ gestaltete Bilder an. Leider ist aber Streetart-Fotografie derart in Verruf gekommen, dass interessante Bildquellen verloren gehen und Ausstellungen an ihre Qualitätsgrenze stoßen. Dennoch können originelle Lösungen, wie beispielsweise eine sichtbar werdende, unbekannte Zeichensprache, den Besucher überraschen.
Ausstellungseröffnung: 6.10.2017, 19:00 Uhr,
Dauer: 09.10. – 30.11.17


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