Kulturnews 09/2017

Bernhard Korte / Ingo Knechtel:

Berliner Ehrennadel für Dr. Carola Gerlach

Foto: Sabine Schlaak

„Mit Ihrem persönlichen Einsatz haben Sie dazu beigetragen, dass menschliche Zuwendung in der Großstadt Berlin erfahrbar bleibt“, heißt es in der Ehrenurkunde der Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales Elke Breitenbach an Dr. Carola Gerlach.
Menschliche Zuwendung ist seit Jahrzehnten für Carola Gerlach der Schlüssel zu allem. Sie ist in ihrem tiefsten Inneren eine Kulturfrau im wahrsten Sinne des Wortes. Über die Kultur nähert sie sich nicht nur den Projekten und Forschungsthemen, die sie umtreiben. Die Kultur ist für sie der Schlüssel zum Miteinander, zum gegenseitigen Verständnis, zu Toleranz und Mitgefühl. Zu DDR-Zeiten im Berliner Zentrum der Société Européenne de Culture (SEC) und im Kulturbund engagiert, gehört sie dann auch zu den Gründungsmitgliedern des Kulturrings in Berlin e.V. und arbeitete über Jahre in seinem Vorstand mit. Die promovierte Literaturwissenschaftlerin, ehemals leitende Lektorin für Romanistik des Verlages Volk und Welt, beschäftigte sich nach der Wende und dem Ende der Verlagsarbeit in den 1990er Jahren mit einem Forschungs- und Ausstellungsprojekt über die jüdische Philosophin, Schriftstellerin und Briefschreiberin des 19. Jahrhunderts, Rahel Varnhagen von Ense geb. Levin. Und sie widmete nahezu ihre ganze Freizeit diesem Vorhaben. Denn wenn Carola Gerlach sich einer Sache annimmt, dann tut sie dies mit ihrer ganzen Persönlichkeit, mit Leidenschaft und Nachdruck. Und sie nimmt andere auf diesem Weg mit.
Seit Mitte der Neunzigerjahre nun hat sie sich der sich gerade öffnenden Thematik der Verfolgung von Homosexuellen insbesondere in der NS-Zeit zugewandt. Sie gehörte zu jenen, die entscheidenden Anteil an der Gründung der Arbeitsgemeinschaft mit dem Namen „Rosa Winkel“ im Kulturring hatten. Unter ihrer Leitung ist es nun schon seit über 15 Jahren immer wieder neu gelungen, mit den verschiedensten Projekten Menschen zu begeistern, sich dieser Forschungsarbeit anzunehmen. Viele hatten mit dem Thema bislang überhaupt nichts im Sinn, viele waren auf der Suche nach sinnstiftender Arbeit, viele waren einfach neugierig auf einen Zugewinn an Erkenntnissen, die sich aus der intensiven Beschäftigung mit Historischem ergeben können, welches in so direkter Beziehung zur Gegenwart steht. Unnachgiebig gibt Carola Gerlach dabei Zielstellung und Tempo vor, fordert von den Mitstreitern Engagement und gibt selbst ein Beispiel. Sie treibt die Netzwerkarbeit voran und forscht selbst zu den Schicksalen von Verfolgten, Tätern und Berliner Treffpunkten in den Strafverfolgungsakten, und das, auch wenn sie nicht mehr die Jüngste ist, praktisch täglich in Vollzeit im Berliner Landesarchiv in Reinickendorf. Mit Rat und Tat steht sie den Projektmitarbeitern zur Seite und hilft somit, dass sich die von ihr mit initiierte Ausstellung „Ausgrenzung aus der Volksgemeinschaft - Homosexuellenverfolgung in der NS-Zeit“ stetig verbessert und erweitert. Vieles gäbe es noch hinzuzufügen, um das persönliche Engagement von Dr. Gerlach weiter zu illustrieren, nicht zuletzt auch die Teilnahme an Konferenzen, Tagungen und Symposien, die so wichtig für den Informationsaustausch sind.

Foto: Berhard Korte

Am 18. Juli 2017 war es dann endlich so weit. Auf Vorschlag des Kulturrings fand die lang erhoffte Würdigung des Einsatzes von Carola Gerlach im festlich geschmückten Wappensaal des historischen Berliner Roten Rathauses statt. Der Festredner und Laudator, Staatssekretär Alexander Fischer, bemerkte in seinem Grußwort, welchen Respekt sich die insgesamt 11 eingeladenen Engagierten erworben haben und wie außerordentlich wichtig deren ehrenamtliche Arbeit für die Gemeinschaft und für die Weltstadt mit Herz Berlin ist. Für jede/n verlas der Staatssekretär persönlich die Laudatio und überreichte im Anschluss die Ehrennadel der Stadt Berlin mit der durch die Senatorin ausgestellten Ehrenurkunde.
Der feierliche Akt der Auszeichnung wurde würdig umrahmt von einem musikalischen Programm und beschlossen von einem von der Integrationsklasse der „Schule am Zwickauer Damm“ liebevoll zubereiteten mediterranen Büfett für die Ausgezeichneten und ihre Gäste. Den vielen Glückwünschen, unter anderem vom Kulturring-Vorstandsmitglied Astrid Lehmann direkt bei der Zeremonie überbracht, schließt sich die Redaktion der KulturNews an. Mit großem Interesse sehen wir den weiteren Forschungsergebnissen des Teams um Carola Gerlach entgegen.


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