Kulturnews 09/2017

Dieter Zänker:

Karl-Heinz Schulmeister

06.05.1925 – 17.07.2017
Foto: privat

Nach langer, geduldig ertragener Krankheit verstarb Prof. Dr. Karl-Heinz Schulmeister, 1. Vizepräsident und 1. Bundessekretär des Kulturbundes der DDR.
Wie viele Jugendliche seines Jahrgangs meldete er sich nach dem Notabitur 1942 freiwillig für den Dienst in der Wehrmacht. Nach dem Krieg, den er mit Glück heil überstand, fand er mit Hilfe Karl Kleinschmidts ab 1946 im Kulturbund seine Wirkungsstätte, der er bis zum Ruhestand 1990 treu blieb. In Mecklenburg war er erst Orts-, dann Kreis-, Landes- und nach der Auflösung der Länder 1952 Bezirks-sekretär in Rostock. 1955 ging er als Bundessekretär nach Berlin und wurde 1957 als Nachfolger von Karl Kneschke zum 1. Bundessekretär berufen. 1958 wurde Schulmeister mit einem Kulturbundmandat Abgeordneter der Volkskammer der DDR und nach dem Tod von Erich Wendt 1965 dessen Nachfolger als Vorsitzender der Kulturbundfraktion. 1986 wählten ihn die Mitglieder zum 1. Vizepräsidenten der Organisation.
In diesen Ämtern hat er mit wechselndem Erfolg versucht, Bechers Prinzipien der geistigen Auseinandersetzung, das sachliche und konstruktive Gespräch sowie die Achtung und Toleranz gegenüber Andersdenkenden im Kulturbund zu bewahren. Nicht zuletzt aufgrund der eigenen Erfahrungen mit Faschismus und Krieg sah er es auch als seine Pflicht, immer wieder auf die Verteidigung von Humanismus und Antifaschismus zu verweisen.
In den Sechzigerjahren absolvierte Karl-Heinz Schulmeister neben seinem ausgefüllten Berufsalltag ein Fernstudium an der Humboldt-Universität, das er als Diplom-Historiker abschloss. 1974 wurde er dort zum Dr. phil. promoviert.
Doch auch in seinem „Ruhestand“ hat ihn der Kulturbund nicht losgelassen. Bis zuletzt hat er sich für eine historisch-kritische Auseinandersetzung mit dem literarischen und kulturpolitischen Erbe seines „Lehrmeisters“ Johannes R. Becher engagiert. Daneben hat Schulmeister Monographien zu Klaus Gysi und Hans Pischner sowie Artikel über Willi Bredel und Max Burghardt geschrieben. In vielen Vorträgen und Gesprächen berichtete er zudem über seine „Begegnungen im Kulturbund“. Unter diesem Titel erschien 2011 auch ein Buch, in dem er die Treffen mit bekannten Künstlern, Wissenschaftlern und Kulturpolitikern schildert.


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