Kulturnews 09/2017

Ingo Knechtel:

Who‘s who,

so lautete der Titel des weltweit renommierten Personenlexikons, das 1847 in Edinburgh vom schottischen Verleger Adam Black begründet wurde. Darin aufgenommen zu werden, war für viele erstrebenswertes Ziel und eine große Ehre, denn es brachte Ansehen und meist auch Geld. Für viele andere war das Werk schlicht eine wichtige Informationsquelle. Nachdem 2001 die letzte Buchausgabe erschienen war, läuft alles nur noch zeitgemäß elektronisch ab. Die Frage allerdings, mit wem wir es zu tun haben, wer wer ist, ist nach wie vor äußerst aktuell. Wir alle sollen uns im September entscheiden, wem wir es zutrauen, uns erfolgreich in den nächsten Jahren zu regieren. Hinter den verschiedenen Parteien stehen Menschen, Kandidaten, die mit ihrer jeweiligen Persönlichkeit bestimmte Ideale, bestimmte Ziele und Interessen vertreten. Es ist nun an jedem von uns herauszufinden, ob dieser Kandidat oder jene Kandidatin, ob die Partei, auch seine oder ihre Interessen vertritt. Na ja, ganz so individuell ist die Sache aber auch nicht, denn wir leben in einer Gemeinschaft. Und da ist es dem einzelnen zuzutrauen, auch die Interessen und Ziele dieser Gemeinschaft zu beurteilen und für deren Umsetzung den/die richtigen Menschen zu finden. So manch eine Nachricht hat uns in letzter Zeit aufhorchen lassen. Da lässt ein Ministerpräsident eine Regierungserklärung von einem Wirtschaftsboss „prüfen und abnicken“. Da tummeln sich Ex-Politiker in Aufsichtsräten. Da fließen Parteispenden, und weltweite Konflikte werden auch mit deutschen Waffen ausgetragen. Genügend Stoff also, um zu sagen: Stopp, so geht das nicht weiter! Prüfen wir also, gerade auch wir Kulturleute, wie es um die Kultur der Politik bestellt ist. Und da wir alle täglich von Kultur umgeben sind, muss auch die Frage erlaubt sein, wie es um die Finanzen für die Kultur steht. Hier ist noch vieles zu verbessern, vor allem geht es um eine bessere strukturelle Unterstützung für die Basiskultur, für die zahlreichen kleinen Initiativen und Vereine, die keine großzügigen Sponsoren aus der Wirtschaft finden oder bewusst nicht finden wollen. Hier ist der Staat gefragt. Und der sind WIR. Zumindest sollte uns am Wahltag klar sein: Who’s Who? - denn da haben wir alle es in unserer Hand.


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