Kulturnews 07/2017

Lutz Wunder:

Freude, Ernst und Polemik: 15 Jahre Tschechow-Theater

Foto: André Osbahr

Nun gibt es in diesen Tagen schon den 15. Geburtstag des deutsch-russischen Tschechow-Theater des Kulturrings zu feiern. Fast an jedem Tag ist etwas los in dem kleinen, aber feinen Zimmertheater im Norden von Marzahn und da werden die Tage, die Wochen und Monate und letztlich auch nicht die Jahre gespürt, die da schnell vorbeiziehen. Schon zu den Jubiläen vor 5 und 10 Jahren konnten wir berichten, wie sich das kleine Theater in dem Berliner Stadtrand-Wohngebiet von Marzahn-Nordwest nicht nur zu einem kreativen Theaterort entwickelt hat, sondern zu einem kulturellen Begegnungszentrum geworden ist. Die Einwohner können Konzerte, Lesungen, Kabarett, Seniorentanz, Themenfrühstücke, Vorträge – um nur einiges zu nennen – besuchen.
Grundlage für diese Erfolgsgeschichte war auch das gute Gespür für ein starkes Engagement im Stadtteil in Form der Mitwirkung in den Bürgergremien, in der Zusammenarbeit mit der Quartiersagentur, der Lust an der Kooperation mit anderen engagierten Institutionen und Vereinen vor Ort. Aber nichts geht ohne engagierte Menschen, die Ideen, Freude am Anpacken, eine Vision haben. So war und ist es ein Glück, dass wenige Zeit nach der Eröffnung des Theaters mit Dr. Alena Gawron eine Leiterin gefunden wurde, die dieses Theaterleben als ihr Lebenselixier verinnerlicht hat. Mit ihrer glücklichen Hand für den Umgang mit an der Kunst Interessierten hat sie dem Theater ein Stammpublikum entwickelt, das der Einrichtung stets die Treue hält, hat Künstler um sich geschart, die immer wieder offen für neue Ideen sind und auch in Notzeiten dem Theater mit ihren Möglichkeiten helfen.
Mit all diesen Dingen hat sie dem Theater im Stadtteil zu Rang und Namen verholfen und auch zu vielen Besuchern, die aus dem ganzen Bezirk und von weiter her aus der Stadt kommen. Aber noch wichtiger für den Stadtteil ist vor allem die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche hier ihre künstlerische Heimstatt haben, ob im Kinderstudio „Sonnenschein“, dem Theaterensemble T&T („Theater und Tanz“) oder der offenen Theaterwerkstatt.
Dies liest sich alles schön und vergnüglich, hilft aber nicht allein, selbst solch einen kleinen Theaterbetrieb am Leben zu erhalten. Das Theater ist aus einem umgebauten Ladenlokal entstanden, und auch bei ausverkauften Vorstellungen, was ziemlich häufig passiert, können nicht mehr als 50 Personen die auftretenden Künstler erleben. Selbst dann reichen die Eintrittseinnahmen nicht aus, um daraus Miete, Betriebskosten, Künstlerhonorare, Werbekosten, geschweige denn Personal, zu finanzieren. Bisher hat das Theater auf Grund seiner stets interessanten Projekte Fördergelder aus Fonds erhalten, die auch von dem Quartiersmanagement verwaltet werden. Diese Förderung soll nun im kommenden Jahr aus haushaltsrechtlichen Gründen weiter reduziert werden. Da der Kulturring seine Projekte nahezu ausschließlich aus den seit Jahren abnehmenden Maßnahmemitteln der Arbeitsförderung sowie aus anderen öffentlichen und privaten Fördertöpfen finanzieren muss,
kann er die zusätzlich notwendigen Finanzmittel nur schwer bereitstellen. Es gilt also, weitere Finanzquellen zu erschließen. Aber auch Gelder aus dem Bezirkshaushalt sollten endlich die lobenden Worte für das Theater quasi handfest untersetzen und gegenüber der Öffentlichkeit das Bekenntnis des Bezirks zu diesem Theater zeigen.

Foto: André Osbahr

Es soll an dieser Stelle daran erinnert werden, dass die überwiegende Anzahl der Förderinstitutionen nicht für die laufenden Betriebskosten aufkommt. Auf diese erschwerende Situation der Vereine haben übrigens schon im Vergangenen die wichtigen Kulturvereine des Bezirks öffentlich hingewiesen. Darum ist es ein dringender Wunsch für das Geburtstagskind, dass Quartiersmanagement, Bezirkspolitiker, Bezirksamtsvertreter mit dem Theater und dem Verein gemeinsam nach Lösungswegen suchen, um einen Weiterbetrieb der Einrichtung auf gleichhohem Niveau zu sichern. Da reicht es nicht, auf bestehende Zwänge zu verweisen, konkrete Mittel in einer durchaus überschaubaren Höhe sind nötig, um den Bewohnern des Stadtteils und Bezirks diese nun schon traditionelle Spielstätte, diese Oase der Kultur, zu erhalten.
Es sollte im Bezirk Marzahn-Hellersdorf nicht nur darum gehen, kulturelle Leuchttürme zu etablieren, privatfinanzierte Institutionen zu umwerben, sondern auch die langjährig und kontinuierlich engagierten kulturellen Einrichtungen in den Stadtteilen, für den Bürger um die Ecke, intensiver zu unterstützen. Und zu letzteren gehören auch das Theater am Park in Biesdorf und das Tschechow-Theater in Marzahn-Nordwest. Es wäre sicher hilfreich, wenn gemeinsam Kontakte zu Unterstützern und Förderern aus der Wirtschaft geknüpft, der Zugang zu Förderinstitutionen mit einem größeren finanziellen Volumen vermittelt, der Zugang zu finanziellen Landesprogrammen ermöglicht werden könnte, um so eine Mitfinanzierung zu erreichen. Das alles kann der Verein Kulturring nicht allein unternehmen, er hat es nicht nur einmal versucht. Sponsoring im Kleinen, Spenden und Besucherunterstützung gibt es alltäglich, mit weiteren Aktivitäten könnten sich die verschiedenen Potenziale treffen und verstärken und vielleicht eine Lösung erreichen. Wünschen wir dem kulturellen Kleinod des Kulturrings in Marzahn-Nordwest eine herzliche Geburtstagsfeier am 5. Juli, verbunden mit der Erwartung, dass es auch 2018 weiter regelmäßig seine Gäste empfangen kann.


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