Kulturnews 04/2017

Petra Hornung:

Über das Auge – zur Seele

Otto Kummert – Der Grafiker *80
Beil von Wandsbek, Abb.: Otto Kummert

Die in der Kulturbundgalerie in Baumschulenweg präsentierte kleine, gediegene Auswahl des großen, facettenreichen und meisterlichen Werkes von Otto Kummert spiegelt allein schon im Umgang mit seinem Metier die enge Bindung der Gestaltung an die Person des Künstlers Otto Kummert. Er ist als Grafiker zugleich Plakatmensch, Designer, Lehrer, freier Künstler, Kämpfer und Feingeist. Kummert gestaltet nach strengem Kanon und Disziplin. Selten vertraut er der Improvisation, dem genialischem Wurf oder gar dem Kuss einer launigen Muße. Er geht die Dinge mit langem Atem an, gründet auf Tiefe, bis jene nachhaltige Klarheit aufscheint, die ebenso dicht wie wundersam natürlich anmutet. Sein Spiel ist Ernst.
Seine ästhetischen Ansprüche sind legendär, und sie führen kein Leben um ihrer selbst willen sondern korrespondieren letztlich immer mit einer höheren, übergeordneten Zielsetzung. Diese strebt den Kontakt an und den Diskurs zwischen den Menschen, stiftet Zusammenhänge, positioniert grundlegende Wertvorstellungen vom Menschsein. Über das Auge – zur Seele.
Otto Kummert kennt sie genau – die Suche nach Balance zwischen Gefahren und Möglichkeiten in der Gemeinschaft, der Gesellschaft, zwischen ´Machen und Macht´… Seine Neigung ist es, lieber konstruktive als destruktive Mittel in seiner Kunst zu bemühen. Es ist seine Sehnsucht, die mit dem Beschützen, mit dem Erhalt von Natürlichem einhergeht. Mensch und Kreatur sind darin gleichermaßen verwoben.

Rote Lichtung, Abb.: Otto Kummert

Die Idee, die sich durch den künstlerischen Prozess sozusagen ´vergrößern´ muss, gilt ihm als Prüfstein und Botschaft nicht zuletzt seiner Identität. Es gibt genug Dinge, die den Meister antreiben und faszinieren, und sie haben nichts an Überzeugung und Frische eingebüßt, im Gegenteil – neue Facetten seiner Kunst dürften die Kenner überraschen. Wie schön deshalb, dass zu seinen Plakaten auch eine Auswahl freier Arbeiten zu sehen sind.
Auch wenn es gerade die Kummert´schen Filmplakate sind, die schon zu DDR-Zeiten in großem internationalen Ansehen standen und bis heute in unserem visuellen Gedächtnis abgespeichert sind…: ´Flüchtlingsgespräche´, ´Schlangenei´,… sie verdanken ihre Nachhaltigkeit nie dem lautwerbenden Anschlag auf unsere Sinne, sondern einem visuellen ´In-Aussicht-Stellen´; einer Berührung, der man nachspüren möchte…
Auf diese Ausstellung darf man freudig gespannt sein.


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